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Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Fortsetzung folgt

10. Januar 2014

Den Reliblog in seiner bisherigen Konzeption habe ich ja vor einigen Monaten eingestellt. Nun gibt es die Fortsetzung. Das ist natürlich kein Blog mit Anleitungen zum Schreiben von Postkarten oder der Bedienung von Telefonen mit Wählscheiben (vgl. hier).

Ich blogge inzwischen unter Verschiedenes. Nomen est omen. Es geht unter Verschiedenes nicht nur um den Religionsunterricht. Auch andere Bereiche, die mich schulisch beschäftigen und mit denen ich mich auseinandersetze, werden dort ihren Platz finden.

Was erwartet potentielle Leser dort?

  • Hinweise auf Filmbeiträge (meistens Kurzfilme), die entweder direkt im Unterricht einsetzbar sind, oder die mich als Lehrer zum Nachdenken bringen.
  • Hinweise auf interessante Literatur.
  • Gelegentlich sicher auch etwas Frust 😉 Geteiltes Leid ist halbes Leid.
  • Beiträge, die ich für meine Psychologie-Kurse für brauchbar halte.

Was läuft in der Kategorie ‚irgendwann‘?

Wenn ich die Bildungsplanreformen für den Religionsunterricht anschaue, bin ich – vorsichtig formuliert – not amused. Anscheinend müssen immer noch mehr ‚Kompetenzen‘ reingepackt werden, um ideologischen Vorgaben gerecht zu werden. Ich hätte gerne eine kleines, aber feines Spiralcurriculum. Aus theologischer Sicht wichtige Themen sollten dort so behandelt werden, dass sie noch Kontakt zur Lebenswelt der Schüler haben, dass sie Basics darstellen, von denen eine eigenständige und – je nach Interesse und Reifungsgrad – vertiefte Auseinandersetzung mit den ‚großen Fragen‘ ihren Ausgang nehmen kann. Unter Verschiedenes werde ich ‚irgendwann‘ genauer beschreiben, was mir vorschwebt.

Alle bisherigen Leserinnen und Leser des Reliblogs sind herzlich eingeladen, unter Verschiedenes weiterzulesen, zu kommentieren und ihre Ideen und Anregungen mit mir zu teilen.

 

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Ende des Blogs

19. Juli 2013

Angefangen hat der Reliblog als Nebenprodukt von Lehrerfortbildungen. Da ging es um Computer, digitale Medien und all so Zeug. Altgedienten und frischeren Kollegen sollte ein bisschen Einblick in die technischen Möglichkeiten und Angebote gegeben werden.

Damals war ich noch mit einer halben Stelle am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Inzwischen bin ich wieder ganz an der Schule. Das macht sich durch eine deutliche reduzierte Artikelhäufigkeit bemerkbar. Schule macht Arbeit, da müssen Sachen wie der Reliblog eben nebenbei laufen, mit geringer Priorität.

Nun ist es soweit: Ich stelle den Reliblog ein. Ich sehe keinen großen Sinn mehr darin, meine Freizeit in etwas zu investieren, das von offizieller Seite massiv unter Beschuss steht.

Wenn es nach den zuständigen Ministerien geht, darf ich mit Schülern nur per Moodle (uuh, wie attraktiv) oder per Briefpost kommunizieren. Alles andere kommt in die Pfui-Ba-Kiste. Warum? Aus ehrenwerten, weil datenschutzrechtlichen Gründen. Hier die entsprechenden Vorgaben:

Generell ist die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Rahmen der schulischen Arbeit auf Sozialen Netzwerken von Anbietern unzulässig, soweit deren Server außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betrieben werden, es sich um US-Amerikanische Unternehmen handelt oder ein Zugriff von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes möglich ist. Der Grund dafür ist, dass die dortigen Datenschutzstandards nicht mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards in Einklang stehen. Ferner sind die AGBs bzw. Nutzungsbedingungen nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht zu vereinbaren.
Daher ist von der Nutzung von sozialen Netzwerken zu dienstlichen Kommunikationszwecken abzusehen, da diese den geltenden Standards des Landesdatenschutzgesetzes (LDSG) nicht genügen. Dies bedeutet konkret für Lehrkräfte und Schulen, dass jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels Sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander unzulässig ist. Darunter fällt die Mailkommunikation innerhalb von Sozialen Netzwerken ebenso wie Chats, aber auch der dienstliche Austausch personenbezogener Daten wie das Mitteilen von Noten, ferner das Einrichten von Arbeits- und Lerngruppen zum Austausch von verschiedensten Materialien, die Vereinbarung schulischer Termine und Informationen zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Für alle diese Zwecke gibt es bereits Kommunikationswege, wie beispielsweise der konventionelle Schriftverkehr oder die Nutzung von verschlüsselten E-Mails einschlägiger Anbieter. Hinweise zur Nutzung von E-Mail finden Sie auf www.it.kultus-bw.de und dem Lehrerfortbildungsserver unter http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/daten/email/ und http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/daten/email_unter/ [Hinweis: vor 17 Monaten zum letzten Mal aktualisiert].  Ferner können Arbeits- und Lerngruppen oder der Austausch verschiedener Materialien beispielsweise mit Moodle als datenschutzfreundliche Alternative realisiert werden. [Quelle: http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/soziale_netze/]

Alles klar. Wozu Hinweise auf attraktive Nutzungsmöglichkeiten, wenn ich sie nicht nutzen darf. Entscheidungsgrundlage für diese Entscheidung des KM ist u.a. der Ergebnisbericht der Innenministerkonferenz vom 4. April 2012. Ja, die Innenminister, die kennen sich da  ja ganz toll aus, mit der Sicherheit…

Macht’s gut, viel Spaß auf der Reise zurück in die Achtziger. Vielleicht mache ich einen neuen Blog auf. Da lernen wir dann, wie man eine Postkarte schreibt, oder ein Telefon mit Wählscheibe bedient. Fortgeschrittenen könnte ich zeigen, wie man einen Film mit Video 2000 aufzeichnet. Wisst ihr noch?

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Lehrer sein

5. Juni 2013

Jeder ist ein Bildungsspezialist. Alle können mitreden. Jeder war mal in der Schule. Jeder weiß, wie es geht. Bildungspolitiker wissen es sogar alle besser.

Leider steht bei den Lebensläufen der Mitglieder von Landesregierungsberatungskommissionen nie dabei, wie viele Unterrichtsstunden sie so pro Schuljahr gehalten haben. Angesichts der Vorschläge solcher Kommissionen dürfte es sich um eine sehr kleine Zahl handeln.

Angesichts der bildungspolitischen Ziele dieser meiner Landesregierung frage ich mich schon manchmal, ob ich auf einem anderen Planeten lebe, mit anderen Schülern, die völlig anders gestrickt sind als die (bildungs-)politischen Vorstellungen es annehmen.

Umso mehr habe ich mich über einen wunderbaren TED-Vortrag gefreut, den eine echte Lehrerin gehalten hat. Rita F. Pierson kann ich mir sehr gut in Alltag einer Schule vorstellen, als Fels in der Brandung, nicht als Lernbegleiterin sich eigenständig bildender Monaden.

Ihre Ideen und Aussagen sind viel näher an dem, was ich jeden Tag mit Schülern erlebe. Hier ist ihr kurzer Vortrag:

Ein herzlicher Dank an Güntzel Schmidt, der den Link dazu getwittert hat.

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Was für ein Mann

24. April 2013

Bei Ameleo gefunden und so gut, dass es unbedingt weitergesagt werden muss:

 

 

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G8 – vom Output her denken…

23. November 2012

So oder ähnlich hat Frau Schavan die G8-Einführung in Baden-Württemberg begründet.

Korrekturen von Klausuren ermöglichen mir immer wieder freudige Erfahrungen. Was ich an Output lesen darf, weckt bei mir gelegentlich schon Zweifel, wie es um die Denk- und Formulierungsfähigkeit mancher Schüler bestellt ist.

Als erste Einheit in der Kursstufe mache ich gerne „Wissen und Glauben“, eine klar strukturierte Einheit, die sich u.a. mit den Erkenntnismöglichkeiten der Natur- bzw. Geisteswissenschaften beschäftigt. Die naturwissenschaftliche Erkenntnismethode lässt sich einfach und überschaubar darstellen, sie sollte keine geistige Überforderung darstellen (dachte ich bisher).

Die naturwissenschaftliche Erkenntnismethode ist auf bestimmte limitierte Mittel begrenzt…

schreibt einer meiner Schüler. Nicht direkt falsch, schließlich ist alles irgendwie begrenzt. Vor allem, wenn es limitiert ist.

Wichtig ist mir, dass die Schüler gewisse Fachbegriffe sauber anwenden können, z.B. Deduktion. Was schreiben meine Schüler:

Deduktion bedeutet, dass diese nun vorhandene Regelhaftigkeit durch einen Versuch (kleine Versuchsanzahl) überprüft wird.

Oder Falsifikation:

Die Falsifizierung der These/Hypothese ist durch die Definition eines Falsifikationsverfahrens möglich, dass besagt eine Hypothese sei falsch, wenn es einen begründbaren/kausal erklärbaren Gegenbeweis für sie gibt.

Ich muss mir eine Liste mit Synonymen anlegen. Die eine Spalte habe ich schon. Da stehen Begriffe wie Bullshit, Schwachsinn u.ä. In der anderen Spalte hätte ich das gerne freundlicher ausgedrückt: fruchtbarer Ansatz, ausbaufähiges Wissen…

Oder wäre es effektiver Klartext zu reden? Es ist nicht immer einfach. Wenn ich so etwas lese…

Ein Komplex von Theorien bildet schlussendlich ein gesamtes Weltverständnis des Naturwissenschaftlers, welches jedoch ein Weltverständnis auf Basis von Theorien, die wiederum auf, durch mit limitierten Mitteln entstandenen, Hypothesen basieren, basiert.

Ob es das Schulgesetz zulässt, solche Schüler einfach vom weiteren Unterricht auszuschließen? Was würde der Schüler verpassen? Er wäre weniger verwirrt und müsste nicht halbgelernte, unverstandene Wissensbrocken mit eigenen nebulösen Vorstellungen zu einem Wortbrei zusammenkochen.

 

 

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Fortbildungskompetenz

18. November 2012

Kompetenz ist die Disposition, mit Wissen sachgerecht und situationsgerecht – deshalb auch mit einer gewissen Routine – so handelnd umzugehen, dass Probleme gelöst werden.

Das war die Definition von Georg Gnandt, die ich bereits im letzten Beitrag genannt hatte.

Ich bin dabei, meine Fortbildungskompetenz zu evaluieren. Die Aufgabe lautet: Melde dich zu einer Fortbildung an. Die Ausschreibung habe ich per Mail erhalten. Genauer gesagt: Als Anhang zur Mail. Sie war als Word-Datei angehängt. PDF kennt man im Regierungpräsidium vielleicht nicht so.

Word habe ich installiert, also konnte ich die Ausschreibung öffnen. Sehr schön gemachtes Layout. Der Standardbriefkopf (Corporate Identity), dann das Anschreiben. Ging leider nicht mehr ganz auf die erste Seite, aber eine Unterschrift ganz oben auf Seite 2 ist ja auch mal was Originelles. Dann kam die eigentliche Ausschreibung zur zweitägigen Fortbildung. Und dann noch eine Seite, mit der Ausschreibung zu einer eintägigen Fortbildung. Na ja, kommt ja mal vor, dass man vergisst, irgendwelche Resttexte zu löschen.

Zur Anmeldung wurde ich auf die ungeheuer neue, innovative und (anscheinend) selbstgehäkelte Website für Fortbildungen verwiesen. In der Informatik-Einstiegsvorlesung ‚Geschichte des Internets – Die Anfänge‘ wird diese Seite übrigens immer gerne als Beispiel für Layout der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts genommen.

Die Anmeldedaten hatte ich bereits zu Beginn des Schuljahres über die Schule bekommen. Aus Datenschutzgründen natürlich nicht per Mail (pfui, wie unsicher), sondern als Kopie. Um Papier zu sparen und evtl. auch nochmal aus Datenschutzgründen wurde die beiden A4-Blätter auf A6 herunterkopiert, so dass Anmeldename und Passwort problemlos mit einer haushaltsüblichen Lupe (ersatzweise Mikroskop aus der Biologie, 25fache Vergrößerung) klar und deutlich zu lesen waren.

Erstaunlicherweise klappte die Anmeldung, erstaunlicherweise kam ich mit der Suchfunktion und der Lehrgangsnummer auch schnell zur Auschreibung in digitaler Form. Dass die ersten beiden Zeichen der Lehrgangsnummer (LG) nicht Bestandteil der Lehrgangsnummer sind hat man nach zwei Versuchen herausgefunden. Entdeckendes Lernen ist bekanntlich die nachhaltigste Form des Wissenserwerbs.

Leider habe ich bis jetzt noch nicht herausgefunden, wie ich den Lehrgang buchen kann. Er ist unter ’nicht belegbar‘ aufgeführt. Da ich die Anmeldung aber nur über diese Seite machen darf, dies dort aber nicht geht, werde ich wohl zunächst die Fortbildung ‚Fortbildungen buchen für Anfänger‘ besuchen. Vielleicht bin ich danach schlauer.

Ganz im Ernst: Diese digitale Bucherei ist im Prinzip sehr viel besser als der alte Papierkrieg. Aber die Software ist maximal im frühen Beta-Stadium. So etwas würde ich vielleicht mit Freiwilligen testen, aber nicht als verbindliche Lösung für Lehrer vorschreiben.

Beispiele?

  • Das Passwort soll man bitte nicht ändern, wenn man je Hilfe in Anspruch nehmen möchte (als ob es Support geben würde, der diesen Namen verdient).
  • Kontextsensitive Hilfe gibt es nicht, dafür eine PDF-Datei mit Erläuterungen, die fast ein Jahr alt ist. Entweder ist die veraltet, oder die Software wird seit einem Jahr nicht mehr weiterentwickelt.
  • Benachrichtigungen per Mail (Anmeldung ist genehmigt, Veranstaltung fällt aus o.ä.) sind geplant, aber – leider, leider – noch nicht implementiert.
  • Findet  die Fortbildung an einem bestimmten der Fortbildungsorte statt, dann geht es sowieso nicht digital. Man möge bitte den bisherigen Papierweg nehmen.

Vielleicht bin ich ein Quengel, aber mich stört es, dass ich mir kompetenzorientierten Unterricht vorschreiben lassen muss, dann aber meine Energie in den Kampf mit unzureichenden Rahmenbedingungen stecken muss: unscharfe Vorgaben, keine brauchbaren Bücher für mein Fach oder dieser Fortbildungs-Anmeldekrempel. Die Erstattung der Fahrtkosten läuft übrigens noch wesentlich blöder ab. Unter 50 Euro beantrage ich inzwischen nichts mehr, dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade.

Aber ich weiß, es wird besser werden. Nachdem der Bildungsplan erst neulich – ähm 2004 – reformiert wurde, kann ich bereits im Februar 2013 an einer Fortbildung teilnehmen, die mir erklärt, wie das alles so geht. Wenn ich das mit der Anmeldung hinbekommen sollte…

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Kompetenzorientierung konkretisieren

16. November 2012

Ja, ich habe das K-Wort verwendet. Kompetenzorientierung. Beim Lehrerkonferenz-Bingo darf es nie fehlen.

Kompetenz ist die Disposition, mit Wissen sachgerecht und situationsgerecht – deshalb auch mit einer gewissen Routine – so handelnd umzugehen, dass Probleme gelöst werden.

Das ist natürlich keine Definition des Kultusministeriums. Wer schon einmal versucht hat, auf den Seiten des KM bzw. in den Publikationen des KM eine knackige Definition des Kompetenzbegriffs zu finden, der weiß, dass man im bildungspolitischen Bereich problemlos die ganze Landschaft umpflügen kann, ohne eine eindeutige Begrifflichkeit festzulegen.

Eine Kompetenz ist eine komplexe Fähigkeit, die sich aus richtigem Wahrnehmen, Urteilen und Handelnkönnen zusammensetzt und darum notwendig das Verstehen der wichtigsten Sachverhalte voraussetzt.

Das ist das Griffigste, zu finden im Vorwort zum Bildungsplan 2004 für das allgemein bildende Gymnasium in Baden-Württemberg (S.10).

Die erste Definition stammt von Georg Gnandt. Sie ist ähnlich allgemein, wie die KM-Definition. Aber Georg Gnandt hat sich die Mühe gemacht, Konkretisierungen zum kompetenzorientierten Religionsunterricht zusammenzustellen. Der Text ‚Impulse zu einem (auch) kompetenzorientierten Religionsunterricht“ ist als PDF-Datei PDF-Datei verfügbar. Er enthält anregende Beispiele und Überlegungen, wie den Vorschlag zum Aufbau einer biblisch-hermeneutischen Kompetenz (S.13-15). Nicht alles ist neu, aber die Zusammenstellung macht den Reiz aus.

Bei der Recherche nach diesem Thema bin ich auch auf die Vorschläge aus Nordrhein-Westfalen gestoßen (Hinweise und Beispiele zur Umsetzung des Kernlehrplans Katholische Religionslehre), die für die Klassenstufen 5-7 zeigen, wie konkrete Umsetzungen der Kompetenzorientierung aussehen können. Auch hier lohnt es sich, eine ruhige Freistunde zum Durchklicken zu verwenden.

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Von Religionslehrern, Pornoseiten und Wirklichkeiten

14. November 2012

Katholischer Religionslehrer verbreitet Fotos von Schülerinnen auf Pornoseiten…

So stand es im Netz und in vielen Zeitungen. Dann muss es ja wahr sein. Kennt man ja, diese Katholen.

die heuchler find ich immer am besten. heilige welt predigen, auf moral machen und dann solche verfehlungen

Postings dieser Art fluten dann schnell die einschlägigen Foren. Oder so etwas:

Mit solchen gestörten Persönlichkeiten muss man halt leben. Nur traurig, dass diese in ihrem geistigen Ablauf behinderten Menschen autark auf unsere Kinder losgelassen werden. Welches Scheuklappendenken in dieser Clique vorherrscht, kann der aufmerksame Leser hier feststellen.

Es ist doch schön, dass so viele Menschen ein klares, überschaubares und einfach strukturiertes Weltbild haben. Wozu differenzieren? Wozu nachdenken? Wozu kritisch nachhaken? Bleiben wir lieber in der guten, klaren Schwarz-Weiß-Welt.

Theologen lernen im Grundstudium den Unterschied zwischen Exegese und Eisegese. Eine wirklich kritische Betrachtung ist ergebnisoffen. Aber einfacher ist die Schwarz-Weiß-Sicht. Psychologisch betrachtet eine einfache Sache. Aussagen, die meine Einstellung, meine Weltsicht bestätigen, nehme ich deutlicher wahr, gegenteilige Aussagen werden eher verdrängt oder abgewertet.

Bad news are good news, sagen die Medienleute. Das Schlechte an der Nachricht ist für mich, dass ein Lehrer anscheinend seine persönlichen Bedürfnisse mit einem Bereich vermischt hat, in dem sie nichts zu suchen haben: dem der ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Diesen Schülern (vermutlich eher: Schülerinnen) ist Schaden zugefügt worden. Die schämen sich jetzt, wenn sie nicht wissen, wer ihr Bild als Masturbationsvorlage verwendet, in welchen Kreisen ihr Bild weiter verbreitet wird und wann in ihrer Zukunft sie diesem Bild erneut begegnen werden.

Aber davon ist kaum die Rede. Betont wird, dass es ein Religionslehrer war. Denn – schaut euch in den Lehrerkollegien um – das sind doch immer die Schlimmsten. Die sind nicht so, wie die anderen Lehrer.

Wer wirklich Ahnung von den Zuständen an Schulen hat, weiß, dass es dort nicht soviel anders zugeht als in einem großen Konzern oder einem mittelständischen Unternehmen, in einer Stadtverwaltung oder dem universitären Betrieb. Es gibt solche und andere. Fleißige, Faule, Verschrobene, Offene, Verschlossene, Verklemmte, Selbstdarsteller, Neidische, Problembeladene…

Ob jemand zur einen oder anderen Gruppe gehört, liegt im schulischen Bereich – das ist meine persönliche Überzeugung – nicht am Fach, das er unterrichtet. Ich kenne Mathelehrer, deren pädagogische Kompetenz sich nicht wesentlich vom Nullpunkt entfernt hat, obwohl sie seit Jahrzehnten unterrichten. Und ich kenne andere Mathelehrer, die begnadete Pädagogen sind und wahre Wunder in problematischen Klassen vollbringen. Ich kenne verklemmte Religionslehrer, Deutschlehrer, Lateinlehrer, Physiklehrer… Aber ehrlich gesagt: ein Sportlehrer, den ich als Schüler mehrere Jahre lang ‚genießen‘ durfte, war wesentlich verklemmter. Gegen den ist der Papst ein draufgängerischer Womanizer.

Eine Diskussion, die sich darum dreht, wie wir die Zustände an Schulen optimaler gestalten können, zum Wohl der Schüler (und auch der Lehrer) findet kaum statt. Das passt nicht in die einfache Schwarz-Weiß-Wirklichkeit. So what? Nur noch kurz die Welt retten? Nein. Unaufgeregt weiter unterrichten.

Der betroffene Kollege hat übrigens Philosophie unterrichtet. Sie wissen doch, Philosophen. Die sind doch alle etwas komisch. Giordano Bruno war auch so einer…

 

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Auf dem Laufenden bleiben mit katholisch.de

3. November 2012

Ein bis zwei Mal pro Jahr putze ich meine RSS-Feeds aus. Heute war es mal wieder so weit. Wer schon lange nichts mehr gepostet hat, fliegt raus.

Zu meiner Überraschung war der letzte Post von katholisch.de von Ende September. Ah, war da nicht der Relaunch der Seite? Also bin ich direkt auf katholisch.de gegangen. Das Layout finde ich absolut ätzend. So eine Seite will ich mir nicht lange anschauen. Hmm, wo könnte der RSS-Feed sein? Nach einigem Hin-und Her-Gescrolle finde ich nichts. Auch im Footer nichts. Na gut, dann eben per Suche-Feld. Und das Ergebnis?

Ihre Suche nach „RSS“ ergab keine Treffer.

Sieht so ein zeitgemäßes Medienangebot aus? Und dazu den Werbespruch ‚auf dem Laufenden bleiben‘? Doppel-Fail. Funktionalität und Optik der Seite waren vor dem Relaunch besser. Schade. Aber immerhin noch in Farbe und nicht in Schwarweiß.

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Liturgische Formeln ändern? Entwarnung.

2. Mai 2012

Ist das nun ein Thema, das eher für viele oder für alle interessant sein könnte?

Wenn ich eingefahrene gewohnte vertraute liebgewonnene Formulierungen ändern möchte, die seit Jahrzehnten ihren Platz im Gottesdienst haben, sollte ich dafür sehr gute Gründe benennen können. Mir hat der Papst ja keinen Brief geschickt, aber ich habe in den Brief an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz gespickt.

Da mir die dort üblichen Sprachspiele nicht hinreichend vertraut sind, gelang es mir nicht wirklich zu verstehen, was jetzt warum geändert werden soll, wenn doch eigentlich gar nichts anders gemeint sei und irgendwie alles doch beim Alten bleiben solle…

Verstanden habe ich dagegen das mit dem dringendsten Aufruf des Papstes. Eine Katechese soll nun entwickelt werden – für die Priester:

Die Absicht meines Briefes ist es, Euch alle, liebe Mitbrüder, dringendst darum zu bitten, eine solche Katechese jetzt zu erarbeiten, um sie dann mit den Priestern zu besprechen und zugleich den Gläubigen zugänglich zu machen.

Bischof bin ich nicht, Priester bin ich auch nicht, geht mich das also auch nichts an?

Im Brief an die DBK vermisse ich eine gewisse Stringenz der Argumentation. Vielleicht ist Rumgeeiere nicht der passende Ausdruck, aber die Klarheit der Struktur konnte ich nicht richtig erfassen. Hat das keiner nochmal auf Verständlichkeit durchgelesen? Oder war das derselbe, der auch die Entweltlichungs-Rede verfasst hat?

Laien wie ich freuen sich dann um so mehr, wenn sie auf einen Beitrag wie pro multis von Gerd Häfner stoßen (hier). Ob der Papst so etwas mit der Katechese gemeint hat? Mir erscheint hier gut und verständlich erläutert, was ich auf Grundlage der neutestamentlichen Formulierungen ableiten kann – und was nicht. Der Beitrag richtet sich auch nicht gegen den Brief des Papstes, sondern versucht die Begründungen im Papstbrief aus neutestamentlicher Sicht zu ergänzen.

Jetzt kommt die gute Nachricht: Das Ganze (die Änderung liturgischer Formeln) findet gar nicht statt. Wirklich. Der Papst schreibt in seinem Brief ja selbst:

Wir wissen alle durch die Erfahrung der letzten 50 Jahre, wie tief die Veränderung liturgischer Formen und Texte die Menschen in die Seele trifft; wie sehr muss da eine Veränderung des Textes an einem so zentralen Punkt die Menschen beunruhigen. Weil es so ist, wurde damals, als gemäß der Differenz zwischen Übersetzung und Auslegung für die Übersetzung „viele“ entschieden wurde, zugleich festgelegt, dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse, in der die Bischöfe ihren Priestern wie durch sie ihren Gläubigen konkret verständlich machen müssten, worum es geht. Das Vorausgehen der Katechese ist die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung.

Die Hervorhebungen lassen klar werden, dass das eine Ausschlussformel ist.

Konkret verständlich machen 🙂 Nette Formulierung. Der Papst kann es selbst nicht so formulieren, dass es konkret verständlich wird. Dann schiebt er es auf die Bischöfe ab. Hallo? Welcher katholische Bischof kann etwas konkret verständlich machen, ohne nur Allgemeinplätze zu bedienen oder in geheimnisvolle Sprachhülsen auszuweichen? Bischof Wanke. Und…., ähhh, hmmm. Die anderen fallen mir nur gerade nicht ein. Und die Priester? Die bekommen von oben und unten Druck. Von unten die Unzufriedenheit und von oben die dringendstkonkretverständlichmachen-Aufforderung.

Gibt es gerade katholischerseits wirklich keine dringenderen Probleme?

Verbraucherhinweis: Dieser Beitrag kann Spuren von Haselnüssen, Sesam, Ironie und anderen Stoffen enthalten, auf die empfindliche Personen allergisch reagieren können. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie ihren Hausarzt oder fragen Sie die Packungsbeilage 😉

Kleiner Nachtrag: Lesenswert zu diesem Thema ist ein weiterer Beitrag von Gerd Häfner.

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