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Archiv für die Kategorie ‘Schulisches’

Lehrer sein

5. Juni 2013

Jeder ist ein Bildungsspezialist. Alle können mitreden. Jeder war mal in der Schule. Jeder weiß, wie es geht. Bildungspolitiker wissen es sogar alle besser.

Leider steht bei den Lebensläufen der Mitglieder von Landesregierungsberatungskommissionen nie dabei, wie viele Unterrichtsstunden sie so pro Schuljahr gehalten haben. Angesichts der Vorschläge solcher Kommissionen dürfte es sich um eine sehr kleine Zahl handeln.

Angesichts der bildungspolitischen Ziele dieser meiner Landesregierung frage ich mich schon manchmal, ob ich auf einem anderen Planeten lebe, mit anderen Schülern, die völlig anders gestrickt sind als die (bildungs-)politischen Vorstellungen es annehmen.

Umso mehr habe ich mich über einen wunderbaren TED-Vortrag gefreut, den eine echte Lehrerin gehalten hat. Rita F. Pierson kann ich mir sehr gut in Alltag einer Schule vorstellen, als Fels in der Brandung, nicht als Lernbegleiterin sich eigenständig bildender Monaden.

Ihre Ideen und Aussagen sind viel näher an dem, was ich jeden Tag mit Schülern erlebe. Hier ist ihr kurzer Vortrag:

Ein herzlicher Dank an Güntzel Schmidt, der den Link dazu getwittert hat.

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Wo gehobelt wird, ist der Mönch keusch

13. Februar 2012

Das können nur richtige Lehrer verstehen. Damit meine ich solche, die sich regelmäßig korrigierenderweise durch Schülerarbeiten kämpfen dürfen. Es gibt zwar (trotz G8 und anderer innovativer Aktionen) immer noch fitte Schüler, die sich sprachlich sehr gut ausdrücken können. Der Anteil der sprachlich nur eingeschränkt Ausdrucksfähigen scheint mir aber – Vorsicht: Das ist sicher meine völlig verzerrte und subjektiv empfundene Wahrnehmung – von Jahr zu Jahr massiv anzusteigen.

Während der letzten Korrekturaktionen bin ich auf eine nette Seite aufmerksam gemacht worden, den Sprichwortrekombinator. Da kommt auch der keusche Mönch her 😉

Bei manchen Formulierungen meiner Schüler habe ich den Verdacht, dass sie sich hier sprachliche ‚Beratung‘ holen.

Wer gerade selber beim Korrigieren ist, möge sich eine kleine Verschnaufpause gönnen und nette Rekombinationen lesen – ganz nach dem Motto:

Was man nicht im Kopf hat, das füg‘ auch keinem andern zu.

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Hermeneutik und Horrorfilme

30. September 2011

Ich mag keine Horrorfilme. Das echte Leben ist manchmal schon grausam genug. Deshalb wollte ich diesen Film auch nicht anschauen. Dann habe ich es doch getan. Wenn ich wieder Hermeneutik in der Kursstufe mache, werde ich ihn einsetzen:
 

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Arme Kinder

8. April 2011

Ene mene muh – Hartz IV kriegst du!

Glückliche Kinder dieses schönen Bundeslandes. In Baden-Würtemberg bekommen nur 8,3 Prozent aller Heranwachsenden Leistungen aus Hartz IV. Bei einer Klasse mit 30 Schülern sind das im Schnitt also 2,5 Kinder.

Der SWR hat diese ‚Erfolgsmeldung‚ der Bertelsmann Stiftung ins Netz gestellt.

Der Bundesschnitt liegt bei 20,2 Prozent. In Berlin sind es 35,7 Prozent der Kinder. Wie fühlen sich meine Berliner Kollegen, wenn sie wissen, dass mehr als ein Drittel der Klasse Hartz IV bekommt? Welche Zukunftsperspektive haben diese Schüler?

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Kompetenzorientiert? Englische Schulreformen

26. Februar 2011

Kompetenzorientierung, Bildungsstandards, keine verbindlichen Themen… Ich unterrichte in Baden-Württemberg.

Das bedeutet – laut Bildungsplan – z.B. für meine 10er:

Die Schülerinnen und Schüler sind aufgrund eines kritischen und selbstkritischen Vergleichs in Ansätzen zu einem Dialog mit anderen Religionen und Weltanschauungen befähigt.

Mich ärgert so eine unscharfe und schwammige Formulierung. Das ist Augenwischerei. Können wir nicht ehrlich sagen, dass die Schülerinnen und Schüler an Religion nur sehr begrenzt interessiert sind, dass sie in der Regel nicht über einen eigenen, reflektierten weltanschaulichen Standpunkt verfügen und daher auch kaum zu einem Dialog in der Lage sind und dass ihre Fähigkeit zur (Selbst-)Kritik nur beschränkt ausgebaut ist?

Dass wir uns aber trotzdem im Rahmen des Möglichen darum bemühen, ihnen nach bestem Wissen und Gewissen zu einem soliden Basiswissen über ihre eigene und andere Religionen zu verhelfen, damit sie nicht auf irgendwelche Scharlatane hereinfallen und dass wir sie so lange nerven, bis sie ihre Position (da, wo sie bereits eine eigene haben) auch argumentativ abstützen können?

Mich ärgert auch, dass es (in B.-W.) bildungspolitisch anscheinend nicht opportun ist, auf klare, verbindliche Inhalte Wert zu legen.

Ich will aber beides: Inhalte, um Kompetenzen daran einzuüben und Kompetenzen, die sich an Inhalten erweisen müssen.

Eine britische Kollegin, Katharine Birbalsingh, vertritt im Hinblick auf die Reformen des britischen Schulsystems interessante Positionen, die sich zum Teil auch auf hiesige Verhältnisse übertragen lassen.

Ihr interessanter Vortrag zu Vor- und Nachteilen von Schulreformen ist sehenswert:

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Milchmädchenrechnung

18. Februar 2011

Alexander Kissler stellt in der Tagespost eine ungeheuer ’scharfsinnige‘ Analyse des Memorandums Kirche 2011 an. Genauer gesagt, sortiert er den Kreis der Unterzeichner nach Alter und Fachgebiet.

Bei den Fachgebieten kommt er zum Schluss, dass Religionspädagogen und Praktische Theologen einen Großteil der Unterzeichner stellen. Er sagt es nicht so, legt aber den Schluss nahe, dass die unter den Unterzeichnern nur selten zu findenden Dogmatiker und Kirchengeschichtler anscheinend die ‚richtigen‘ – wichtigen –  Theologen seien. Welche Aussagekraft kann so ein Memorandum dann schon haben…

Könnte es nicht auch sein, dass Religionspädagogen und Praktische Theologen sich zwangsläufig intensiver mit der Realität – sprich: der real existierenden Gesellschaft – beschäftigen müssen als Dogmatiker oder Historiker? Und vielleicht deshalb deutlicher auf Veränderungen pochen?

Ein zweites ‚tolles‘ Argument scheint der hohe Anteil an Unterzeichnern über 65 Jahren zu sein. Auch hier sagt Herr Kissler es nicht so, legt aber nahe, dass diese nicht mehr ganz ernst zu nehmen seien:

Der typische Unterzeichner von „Kirche 2011“ ist ein in Westdeutschland sozialisierter, im Westen lehrender männlicher Religionspädagoge gegen Ende seines sechsten Lebensjahrzehnts. Sein Studium fiel in die siebziger, Promotion und Habilitation geschahen dann in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Ob Herr Kissler bei Gelegenheit mal die Alterstruktur innerhalb der römischen Kurie untersuchen könnte? Innerhalb des Kardinalkollegiums? Oder innerhalb des deutschen Klerus?

Eine weitere analytische Spitzenleistung lautet:

Das deutliche Übergewicht der Pädagogen lässt die Kritik Benedikts XVI. am erschütternd folgenlosen Religionsunterricht in Deutschland in neuem Licht erscheinen. Könnte das Missverhältnis von pädagogischem Aufwand und katholischem Ertrag auch daran liegen, dass gar zu viele Religionslehrer von Religionspädagogen ausgebildet wurden, die sich als innerkirchliche Opposition begreifen? Ist deshalb manche Religionsstunde zur Einführung in vergleichende Ethik verkommen?

Wenn ich meine Kursstufen-Schüler zu ihrer Einstellung zum Glauben befrage, gab es im Schnitt der letzten fünf Jahre betrachtet immer etwa ein Drittel, das mit Religion, Glaube, Gott und Kirche nichts anfangen können. Ich finde es gut, dass diese Schüler trotzdem am Religionsunterricht teilnehmen. Hier merken sie anscheinend, dass es auch um sie geht.

Ein weiteres Drittel glaubt an Gott oder ein ‚höheres Wesen‘, will aber mit der Kirche nichts zu tun haben, da die  Schüler entsprechend negative oder abstoßende Erfahrungen gemacht haben bzw. das Angebot als völlig uninteressant empfinden bzw. manche Vorstellungen (Sexualmoral) für völlig abwegig halten. Im Religionsunterricht rufe ich dabei nicht zu ‚innerkirchlicher Opposition‘ auf, sondern versuche zu kommunizieren, welcher Sinn und welche Absicht hinter den kirchlichen Positionen steckt. Meine Schüler sollen lernen, ihre Position argumentativ begründen zu können, nicht bloß Nachzuplappern.

Das restliche Drittel der Schüler kann mit Gott zwar mehr anfangen, äußert aber große Unzufriedenheit mit den kirchlichen Angeboten. Hier finden sie nur wenig Interessantes, hätten aber gerne ein attraktives und zielgruppenspezifischeres Angebot.

Die Themen Zölibat (ja oder nein) oder Gottesdienstsprache (Hochdeutsch? Deutsch mit polnischem oder indischem Akzent? Latein?) haben meine Schüler bisher noch nie interessiert. Das finden sie höchsten – im Fall des Zölibats – exotisch, letztlich aber eine Entscheidung des einzelnen Priesters, die an ihrer Einstellung nichts ändert.

Was etwas ändert, sind Menschen, die als Ansprechpartner vorhanden sind, die sich Zeit für Gespräche, Sorgen und Nöte nehmen können, die noch nicht im Opa-Alter sind und die Lebenswelt der Jugendlichen vielleicht auch deshalb besser nachvollziehen können, die eventuell an ihren eigenen Kindern erfahren durften, wie schwer sich die sog. ‚Weitergabe‘ des Glaubens gestaltet.

Der ‚erschütternd folgenlose‘ Religionsunterricht kann leider nicht alles nachholen, was in den Familien und den Pfarrgemeinden Seelsorgeeinheiten Halbdekanaten versäumt, bzw. durch katastrophale Äußerungen und Aktionen der obersten Kirchenleitung an Glaubwürdigkeit und Akzeptanz verspielt worden ist (z.B. freundlichestes Entgegenkommen, wenn es sich um schismatische Holocaustleugner handelt).

Aber das interessiert die Leser des Kissler-Artikels vermutlich nicht. Ein überschaubares Weltbild hat einfach den unschlagbaren Vorteil, sich der komplizierten und anstrengenden Auseinandersetzung mit der Realität nicht stellen zu müssen.

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Wen interessieren Kondome…

24. November 2010

‚Papst‘ und ‚Kondom‘ als Suchbegriff in Google eingegeben bringt zur Zeit sehr viele Treffer. Aber ehrlich gesagt: Wer glaubt denn wirklich, dass die Papst-Äußerungen etwas an der Realität ändern?

In Südafrika gibt es ca. sechs Prozent Katholiken. Selbst wenn die ihr Verhalten nach päpstlichen Vorstellungen gestalten sollten, werden die restlichen 94 Prozent kaum aus Sympathie mitmachen. Was soll der Medienhype also?

Eine Veränderung der Situation interessiert die Öffentlichkeit wohl nicht wirklich. Sonst wären die Medien voll davon. Oder  könnten Medien durch entsprechende Berichterstattung nicht auch Aufmerksamkeit auf Themen lenken? Gab es das nicht mal? Früher? Vor DSDS und ähnlichem Quality-Content?

Gut, dass die SMV meiner Schule sich nächste Woche am Welt-Aids-Tag wieder mit einer Aktion beteiligen wird.

Nachträge: Nette Ergänzungen zum Thema bieten Echo Romeo und Exladiocea 🙂

Gefunden via  Sende-Zeit.

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Mindmaps sind gefürchtet

4. November 2010

Na ja, vielleicht ist ‚gefürchtet‘ ein etwas zu starkes Wort. Aber nur wenige meiner Schüler können sich mit Mindmaps anfreunden. Vielleicht liegt das nicht nur an der Methode selbst, sondern auch an der Vermittlung (durch uns Lehrer)?

Wer noch nie mit Software-Unterstützung Mindmaps angefertigt hat, oder ein kostenloses Mindmapping-Tool für Schüler sucht, kann Blumind testen. Klein, kostenlos, einfach zu bedienen. Als Download hier verfügbar. Alternativ ist z.B. FreeMind zu empfehlen.

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Zukunft der Ausbildung

16. Oktober 2010

Anscheinend habe ich es wirklich noch nicht gemacht. Ich war mir ziemlich sicher einen Beitrag darüber geschrieben zu haben, konnte ihn aber nicht finden. Na gut.

Wer sich Gedanken über die sinnvolle Gestaltung von Ausbildungssystemen im Allgemeinen und Schulen im Besonderen macht, sollte unbedingt lesen bzw. anschauen, was Sir Ken Robinson dazu sagt.

Dazu eignet sich sein Buch ‚The Element‚, das inzwischen auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. Oder für eher visuelle Typen sein TED-Vortrag (19:29 Minuten).

Seine Kernthese: Die herkömmliche Form von Schule ist nicht zukunftsfähig, sie muss sich ändern. Er bringt gute Argumente, ist kein Dummschwätzer, zeigt englischen Humor und nicht deutsche Pädagogenbetroffenheit.

Nun gibt es eine geniale Visualisierung seiner Aussagen. Auch wer kein Englisch versteht, kann nachvollziehen, was eine gelungene Visualisierung von Inhalten ausmacht:

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Kannitverstan

9. Oktober 2010

Fachsprache: Jede Fachwissenschaft zeichnet sich dadurch aus und grenzt sich gegen andere Wissenschaften ab. Tja. Leider soll ich als Religionslehrer nun in verständliche Sprache (bzw. verdauliche Kost) übersetzen, was da alles so an theologischen Brühwürfeln unterwegs ist.

Ich bereite gerade eine Doppelstunde für 13er vor. Es geht um ‚Gerechtigkeit im Reich Gottes‘. Schön. Was ist das Reich Gottes? Ich hätte gerne einen knappen, verständlichen und inhaltlich korrekten Text als erste Orientierung für meine Schüler. Das, was ich bisher habe, genügt mir nicht. Nach (zu) langer Suche habe ich im ‚Grundwissen Religion‚ von Kaldewey und Niehl die brauchbarste Vorlage gefunden.

Aber selbst dort sind solche Sätze zu finden:

Als Überbietungsgeschichten zeigen Gleichnisse also, woran es im Leben fehlt. Damit bieten die Gleichnisse aber keinesfalls eine Definition der Herrschaft Gottes; sie legen nicht fest, was erlöstes Leben ist…

Überbietungsgeschichten. Was werden sich meine 13er wohl darunter vorstellen? Bei Google gibt es 28 (!) Treffer zu Überbietungsgeschichten. Die führen dann z.T. zu solchen Stellen:

Führt Barbara Vinken die Trias der Bovary-Forschung zusammen, so widmet sich Manfred Schneider der Trias der „ästhetische[n] Medien“ Literatur, Musik und bildender Kunst, die er durch eine „radikale Fraktion der Moderne“ reorganisiert sieht. Sie schließe zum einen an „die ästhetischen und sezzesionistischen Revolten“ des Fin de Siécle an, gehe aber zum anderen auch auf Grundsätze zurück, die von der Historie der „ikonoklastischen Dogmatik“ zur Verfügung gestellt werden. Sein Ansatz führt ihn zu dem Schluss, dass sich „alle radikalen Kunsttendenzen der Moderne“ als „Reduzierung“ beschreiben lassen, die paradoxer Weise durch „gewalttätige Überbietung“ erreicht werden. Denn die radikale Moderne sei „von dem teleologischen Eifer durchdrungen“, „sich selbst als Ende oder Ziel einer Überbietungsgeschichte auszurufen“. In dieser Hinsicht, so stellt Schneider zu Recht fest, sei Immanuel Kant der „theoretische Ahnherr“ der Moderne. Zwischen Kants Tod 1804 und dem von Schneider untersuchten Zeitraum liegt nun allerdings ein ganzes Jahrhundert. So scheint dem Autor entgangen zu sein, dass nicht erst die „ikonoklastische Moderne“ die „Überbietung aller Überbietungen“ betrieb, „indem sie mit sich selbst die Überbietungsgeschichte schließt“, sondern zwischenzeitlich etwa auch schon Hegel, der den Weltgeist in seiner Philosophie zu sich selbst gekommen sah, oder Marx, der die Philosophie in ihre Verwirklichung zum guten Ende und somit die Weltgeschichte zum Stillstand brachte. [Quelle]

Alles klar? Das Interesse für Religion wird nach meiner Wahrnehmung nicht wesentlich dadurch gesteigert, dass ich eine Sprache verwende, die im Alltag völlig untauglich ist. Das soll keine Kritik an den meist sehr gut formulierten Texten des Buchs von Kaldewey und Niehl sein. Was dort die Ausnahme ist, stellt in vielen anderen Büchern zu religiösen Themen die Regel dar. Das ist das Problem.

Es ist unerträglich arrogant, wenn die Botschaft von Gott sprachlich so verpackt wird, dass sie niemand mehr auspackt, wenn die Verpackung so abschreckend ist, dass jedes Interesse erlischt.

Wie hat Jesus wohl erreicht, dass einfache Fischer und Handwerker seine Botschaft verstehen, sich von ihr ansprechen lassen und ihr Leben völlig umkrempeln?

Habe nur ich dieses Problem? Wenn ich jemanden für etwas interessieren möchte, muss ich dessen Sprache nicht nur verstehen, sondern meine Botschaft auch in seiner Sprache ausdrücken können.

Es geht auch andersrum:

Jesus selbst hat gegenüber seinen Mitmenschen häufig vom Reich Gottes gesprochen und dadurch an die alttestamentliche Tradition angeknüpft. Damit hat er ein Hoffnungsbild von einer neuen Welt Gottes entfaltet, die nach der Botschaft des Neuen Testaments mit ihm selbst angebrochen ist. In Jesu Gleichnissen, seinen Wundern und auch den Maßstäben der Bergpredigt bekommt diese etwas abgehobene Formulierung konkretere Züge. Jesus kündigt den Menschen dieses Reich als Geschenk Gottes an, fordert sie aer zugleich auf, in ihrer Lebenshaltung die Anname der neuen Gegenwart Gottes vorzubereiten.

Das ist aus dem aktuellen Religionsbuch für die 7./8. Klasse (Mittendrin 2), der Artikel ‚Reich Gottes‘ aus dem Lexikonteil. So what? Welche Information können Schüler diesem Text entnehmen? Gut gemeint, vereinfacht, aber der Inhalt? Wie stellt sich ein Siebtklässler das Entfalten von  Hoffnungsbildern vor? Religiöses Origami? Von konkreteren Zügen ist die Rede, der Artikel enthält aber keine konkreten Aussagen über Inhalte der Reich-Gottes-Botschaft Jesu.

Wie der geneigte  Leser sicher merkt, nagt große Unzufriedenheit an der Seelenruhe des Verfassers dieser Zeilen. Es ist für mich aber nicht nur ein momentaner Frust – draußen ist das tollste Herbstwetter und ich muss Stunden vorbereiten-, sondern eine grundsätzliche Frage. Wenn es uns nicht gelingt, die Kernaussagen unseres Glaubens verständlich zu formulieren, wenn wir die theologischen Worthülsen nicht mit Inhalten füllen können, in denen unsere Gesprächspartner ihre Lebenssituation wiederfinden, dann lösen wir unsere Daseinsgrundlage selber auf.

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