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Archiv für die Kategorie ‘Texte’

Globalisierung des Papsttums

19. April 2013

Es gibt einige Brüder und Schwestern im Herrn, denen Benedikt XVI. ungeheuer gut getan hat. Er vertrat Positionen, die ihnen wichtig sind, er vertrat ‚ihre Kirche‘ in der Öffentlichkeit so, wie sie es für angemessen halten.

Und dann kam Franziskus. Erst kurzer Jubel, inzwischen eher Irritationen, z.T. auch Beiträge, die aus meiner Sicht völlig daneben und ziemlich unlustig sind. Der Papst – so mein Eindruck – ist für diese Art von Katholiken ungeheuer wichtig, toll, sakrosankt – solange er die eigenen Positionen vertritt. Macht er das, ist die Welt in Ordnung und alle anderen, die an der Position des Papstes auch nur ein bisschen rummachen, sind des Teufels, keine echten Katholiken ‚und überhaupt!‘ (die Komplexität der Argumentation ist meistens recht überschaubar).

Aber WEHE! Wehe der Papst trägt nicht irgendeinen Stofffummel, wenn er auf einen Balkon tritt. Und wehe er nimmt Rücksicht auf seine Gesundheit und kniet einmal zu wenig. Wenn so etwas mehrfach auftritt, dann kippt die blinde Papstverehrung (B16) schnell in sehr kritische, spitze oder auch trotzig-pampige Beiträge in den einschlägigen Blogs und Plattformen.

Interessante Reflexionen zu diesem Verhalten bietet ein sehr lesenswerter Beitrag von Christian Stoll in der IKaZ (Internationale Katholische Zeitschrift Communio): Abschied von Europa. Anmerkungen zur Globalisierung des Paptsttums, IKaZ 42 (2013), 287-293. Er ist als PDF-Datei offen verfügbar und kann hier heruntergeladen werden.

„Die ersten Gesten und Äußerungen des Papstes aus der ’neuen Welt‘ deuten… darauf hin, dass Franziskus das Selbstverständnis eines europazentrierten Christentums infrage stellen wird. Europäer, die ihre jahrhundertelange Pracht des Petrusamtes schon in Eigentum übergehen sahen, werden bereits jetzt daran erinnert, dass es einen Unterschied zwischen dem Christentum und dem kulturellen Erbe Europas gibt. Mit dem neuen Pontifikat nimmt ein Lernprozess seinen Anfang, der für europäische Christen nicht ohne Zumutungen sein wird.“ [S. 288]

Das ist keine bedrohliche Entwicklung. Eher eine interessante Herausforderung. Die Wahrheit wird euch frei machen, sagt Jesus nach Joh 8 in einer Diskussion mit Menschen, die ihre Glaubensposition kompromisslos vertreten wollen. Jesus sagt nicht, dass es einfach, immer angenehm und problemlos ist, sich der Wahrheit zu stellen bzw. sich immer wieder neu auf die Suche nach der Wahrheit zu machen.

„Die Entkoppelung des Papsttums von einem europäischen Blick auf Gott und Welt ist… theologisch unproblematisch. Vom galiläischen Fischer bis zum Jesuiten aus Buenos Aires – die Universalität des Petrusamtes wird durch wechselnde kulturelle Horizonte der jeweiligen Amtsträger nicht beeinträchtigt, sondern verdeutlicht.“ [S. 292]

Wer sich gerne auf Traditionen beruft, sollte wenigstens gewisse geschichtliche Grundkenntnisse mitbringen (oder sich erarbeiten), bevor er manche – scheinbar neuen – Entwicklungen oder Vorgehensweisen verurteilt. Ich bin gespannt, wohin wir uns als Kirche mit Franziskus bewegen werden. Ich hoffe, dass der fast zweitausendjährige Erfahrungsreichtum der Kirche breiter gewürdigt werden wird als bisher, damit sowohl der galiläische Fischer als auch der Jesuit aus Buenos Aires ihre Erkenntnisse und Erfahrungen einbringen können.

„Europäische Katholiken werden Zeit brauchen, um sich nach dem großen Europäer Benedikt XVI. an die neue Gestalt des Papsttums zu gewäöhnen. Dennoch kann dieser Prozess auch heilsam sein. Die Globalisierung des Papsttums bietet die Chance, die Überlieferung des christlichen Glaubens vom kulturellen Kontext Europas deutlicher zu unterscheiden.“ [S. 293]

Danke an den Hinweis auf den Artikel von Christina Stoll im Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK).

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Den Aufbruch wagen

14. März 2013

Den Aufbruch wagen – Wie kann sich die katholische Kirche reformieren?

So nennt Hubert Wolf, Kirchengeschichtler aus Münster, seinen zweiteiligen Vortrag in der Reihe SWR Wissen: Aula. Er stellt dar, wie sich die Rolle der Kirchengeschichte innerhalb der Theologie durch die Beschlüsse des 1. Vatikanischen Konzils geändert hat. Danach zeigt er sehr interessante Beispiel für die Vielfalt dessen auf, was innerhalb der katholischen Kirche schon alles möglich war und im Lauf der Jahr(hundert)e vergessen oder verdrängt wurde.

Wer an der reichen Vielfalt katholischer Traditionen interessiert ist und sich an ideologischen Verengungen auf das (angeblich) einzig wahre Katholische stört, dem seinen die Vorträge empfohlen, die es als Audio-Dateien (Teil 1, Teil 2) zum Download gibt. Wer es lieber Schwarz auf Weiß hat, kann sich beim SWR die Manuskripte als PDF-Dateien herunterladen (Teil 1Teil 2).

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Kirchliche Kommunikation

24. Februar 2013

Nein, kein Satirebeitrag. Nein, keine ‚Pleiten-Pech-und-Pannen-Show‘.  Auch keine Wunschliste für den alten oder den neuen Papst.

Es handelt sich vielmehr um einen Lektürehinweis: Eine sehr lesenswerte Diplomarbeit hat Andrea Mayer-Edoloeyi ins Netz gestellt. Kostenlos, CC-Lizenz, downloadbar. Der Titel lautet: Digital Natives und kirchliche Kommunikation. Netzinkulturation als Pastoral in einer medial vermittelten Lebenswelt.

Wer schon einiges zum Thema Kirche und Internet weiß, wird hier ebenso fündig, wie ein digitales Greenhorn. Gut strukturiert, mit leser_innenfreundlichen Zwischenergebnissen, nicht zu knapp, nicht zu lang – einfach gut.

Hier ist die Website mit der Arbeit zum online-Lesen oder Downloaden: http://andreame.at/diplomarbeit.

Mir persönlich haben die Kapitel 3.3 Das Social Web als Ort lebensbedeutsamer Kommunikation (S. 71-.79) und das Kapitel 5 Eine Pastoral der Passung in Zeiten des Social Web (S. 102-113) am besten gefallen.

Sehr zutreffend fand ich auch die Aussagen im Abschnitt 3.2.3.2 (S. 70f). Für die dort Angesprochenen gilt: Auf keinen Fall diese Arbeit lesen, denn sie enthält nur neun Mal das Wort Papst. Die Begriffe Jungfrau, Jungfräulichkeit und Zölibat fehlen völlig 😉

Aber wer an einer zukunftsfähigen Verkündigung der Botschaft Jesu interessiert ist, wird eine Reihe von nachdenkenswerten Anregungen und Möglichkeiten finden.

 

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Stammzellenforschung

23. Februar 2013

Alle Jahre wieder halten Schüler ihre GFS auch mal in Religion. Eine GFS ist eine gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen. Schon die Bezeichnung lässt erkennen, dass so etwas nicht unbedingt in der Schulpraxis entstanden, sondern an einem Schreibtisch ausgedacht worden ist. ‚Ganze Familie schafft‘ ist die in der Mittelstufe üblichere Übersetzung.

Eine Schülerin der Kursstufe hält demnächst eine GFS zum Thema Stammzellenforschung. Zur eigenen Vorbereitung habe ich nach aktuellem Material gesucht und interessantes Material gefunden, das für Lehrer und Schüler geeignet ist.

Es handelt sich um drei PDF-Dateien, die begleitend zur Vorlesung ‚Rechtsphilosophische Grundlagen des Medizinrechts‘ an der Uni Regensburg von Prof. Pawlik erstellt worden sind:

Diese Außensichten auf Themen, die wir im Religionsunterricht behandeln und die in Präsentationsprüfungen des Abiturs beliebt sind, sind gut lesbar formuliert, auch (fitte) Schüler der Kursstufe dürften verstehen, worum es geht. Und ich als Lehrer und Christ bin aufgefordert, meine eigene Position argumentativ zu begründen und kommunikativ zu vermitteln. Das ist nicht immer einfach, besonders, wenn man sich außerhalb des Papst-Jungfräulichkeit-Zölibat-Zirkels aufhält.

 

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Warum wir Rituale lieben

6. Dezember 2012

Nie waren sie so wertvoll, wie heute.

Im Sinnstiftermag 8 habe ich einen kurzen Artikel zu Sinn und Zweck von Ritualen gefunden: ‚Warum wir Rituale lieben‚. Er könnte sich gut in der Kursstufe oder auch schon in der 10. Klasse (z.B. bei Ritualen im Zusammenhang mit dem Tod) einsetzen lassen. Verfasst hat ihn Siri Fuhrmann, Assistentin am Seminar für Liturgiewissenschaft an der Uni Bonn.

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Erlöse und Erlösung – von Geld und Religion

26. September 2012

Der SWR hat einen netten kleinen Essay von Jochen Hörisch veröffentlicht. Gesendet wurde der Beitrag ‚Man muss dran glauben‘ schon am 24. September, da habe ich ihn verpasst. Aber das Manuskript kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden (20 Seiten).

Nähere Infos finde sich auf der SWR-Seite zur Sendung.

Der Beitrag enthält ein paar nette Wortspiele und Anregungen. Nichts Weltbewegendes, aber manche Vergleiche zwischen Geld und Religion finde ich anregend und gelungen. Wer bereit ist, ein knappes halbes Stündchen oder so zu investieren, dem sei die Lektüre empfohlen.

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Jesus im Judentum seiner Zeit

14. August 2012

Die Katholische Akademie in Bayern gibt die Zeitschrift ‚zur debatte‚ heraus. Heft 5/2012 hat das Thema ‚Der historische Jesus‘. Der Artikel ‚Jesus im Judentum seiner Zeit‚ aus diesem Heft steht als PDF-Datei online zur Verfügung – wenigstens für die nächsten Tage.

Er bietet eine knappe (11 Seiten) , gut gegliederte und auch für Schüler der oberen Klassen verständliche Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen zum Thema. Hier die Gliederung:

  1. Jesus als Jude in der neueren Forschung
  2. Grundlegende Überzeugungen des Judentums und Anschauungen einzelner Gruppen
  3. Jesus – ein Jude aus Galiläa
  4. Das Wirken Jesu im Horizont der Traditionen Israels
  5. Das Wirken Jesu und die Entstehung des Glaubens an Jesus Christus

Wer noch etwas entspannte Lektüre für die Sommerferien sucht, kann hier zugreifen.

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Neuevangelisierung – aus Österreich

15. Mai 2012

Die österreichischen Bischöfe haben vor kurzem einen Text zur Neuevangelisierung veröffentlicht. Da Anfang Juni ein ‚Bloggertreffen‘ in Freiburg zu diesem Thema stattfindet, habe ich mir den Text heruntergeladen (gibt es als PDF hier) und durchgelesen.

Wie lautet die alte Sandwich-Regel beim Feedback: Gut – schlecht – gut 😉

Offizielle Dokumente von Kirchens sind ja nicht unbedingt immer und alle sooo spannend und interessant formuliert. (Mir zu) oft wird eine Sondersprache gesprochen, die mit dem Idiom von Menschen, die mir in der Schule oder an anderen Stellen des Real Life begegnen, nur sehr überschaubare Schnittmengen aufweist.

Das österreichische Papier finde ich – für ein offizielles Dokument – sehr lesbar und worthülsenarm (wenn auch nicht -frei) formuliert.

Sehr gut gefällt mir der erste, grundsätzliche Teil, der – so finde ich – eine ziemlich realistische Situations- und Zielbeschreibung bietet. Dort steht z.B.

Kirche ist da, um zu Jesus Christus zu führen, um seine Frohe Botschaft zu verkünden… Sie selbst ist Werkzeug und Zeichen, aber nicht Selbstzweck. [2.1]

Das ist natürlich nichts Neues, aber manchmal scheint es mir etwas zu kurz zu kommen 😉

Was wir verkünden, müssen wir auch leben. Es geht um ein Bezeugen der Liebe Gottes. Das beeinhaltet Aufmerksamkeit und Sensibilität für die gegebenen Umstände, für die konkreten Menschen, für die jeweilige Situation, für aktuelle Erfordernisse. In ihnen spricht Gott zu uns. [2.2]

Das ist für mich Jesus-Nachfolge. Das ist das Kerngeschäft des Christentums.

Eine individualisierte Gesellschaft erwartet ein möglichst individuelles Eingehen auf den Einzelnen, auf seine Situation, auf seine Biographie, die oft nicht mehr so geradlinig ist, wie man es vielleicht in früheren Zeiten gewohnt war. Eine pluralistische Gesellschaft erfordert eine Pluralität in der Verkündigung… [4.2]

Ja, sehe ich auch so. Deswegen finde ich ‚Weltkatechismen‘ und ähnliche Teile auch immer etwas schwierig…

Gefordert wird,

…eine Sprache zu entwickeln, die auf die Erfahrungswelt der Menschen von heute eingeht und zugleich der christlichen Botschaft treu bleibt. [4.2]

Das ist aus meiner Sicht nur sehr selten der Fall. Die Folge:

Die ‚klassischen‘ Orte und Gelegenheiten der Verkündigung verlieren an Bedeutung, kirchliche Orte und Angebote werden weniger gesucht, religiöse Gewohnheiten weniger gepflegt. Was man früher nur zu veranstalten brauchte, muss man heute intensiv bewerben und fördern. [4.4]

Dann kommt die Sache mit dem Dialog:

Menschen sind gewohnt, gefragt zu werden und mitzureden. Sie haben Ansichten, Meinungen, Fragen, Zweifel – und artikulieren diese oft sehr direkt. Es ist wichtig, dem Raum zu geben, den Dialog zu suchen – sowohl bei außerkirchlichen wie innerkirchlichen Fragen -, wertschätzend, klar und profiliert. [4.5]

Wertschätzend… Denk ich an München oder Augsburg in der Nacht…

Wichtig ist einerseits, entsprechend dem, was die Kirche sagt, argumentativ auskunftsfähig zu sein, andererseits die tatsächliche Gewichtigkeit von Einzelfragen im Gesamt des Glaubens einordnen zu können; d.h. Differenzen zu benennen, aber nicht überzubewerten, wenn es darüber hinaus viel Gemeinsames gibt, das man mehr betonen sollte. [4.6]

1 Petr 3,15 und die Hierarchie der Wahrheiten; beides ist wichtig, wenn ich einen wirklichen Dialog führen möchte.

Leider nur selten zu hören, aber von großer Bedeutung finde ich auch die Analyse der innerkirchlichen Widersprüche:

Zu allen Zeiten bilden Christen selbst Hindernisse für die Verkündigung: wenn ihr Leben dem Glauben widerspricht, wenn sie selbst unsicher und kleingläubig sind, wenn sie (im Übereifer) im Streben nach einem ‚Erfolg‘ andere instrumentalisieren, wenn sie die eigene Beziehung zu Gott vernachlässigen, wenn sie sich dem Frust hingeben, wenn sie miteinander streiten, wenn sie kleinlich und skrupulös sind… –  All das sind Formen von Sünde, die von Gott trennen, die dem Evangelium und dem Vorbild Christi widersprechen und die Verkündigung behindern. Hier ist Ehrlichkeit, Umkehr, Neuorientierung aus den Quellen des Glaubens notwendig. [4.9]

Ich will ja hier nicht das ganze Dokument abschreiben, deshalb verweise ich hier nur auf die Abschnitte 5, 6 und 7, die ich für die besten Teile des Dokuments halte. Da geht es nicht um ‚Wir‘ gegen ‚die Anderen‘, sondern um zentrale Grundeinstellungen und -haltungen, ohne die keine Zukunft möglich ist.

Weniger gelungen finde ich den zweiten, ‚praktischen‘ Teil. Hier wird deutlich, woher das Dokument stammt 🙂

Es werden ‚Zielgruppen‘ beschreiben, die stark ‚klassisches katholisches Milieu‘ abbilden, aber nicht aktuelle gesellschaftliche Untersuchungen (etwa die Sinus-Studie). Dann folgen ‚Anknüpfungspunkte‘: ‚Alltag‘, ‚Tätige Nächstenliebe‘, ‚Pfarre‘, ‚Seelsorgeräume – Pfarrverbände’… ‚Wallfahrten und Pilgerwege‘, ‚Volksfrömmigkeit‘, … ach ja, und da kommt etwas, das heißt ‚Schule‘:

Hier begegnen einander gläubige und ungläubige, zweifelnde und suchende, pragmatische und desinteressierte Schüler/innen. Wie kann man aus dieser Situation das Beste machen? [9.11]

Leider wird die Frage nicht wirklich weiter verfolgt, denn es geht weiter, zu wichtigeren Anknüpfungspunkten, wie ‚Ausbildungsorte‘,… ‚Präsenz‘ [??? War Präsenz vorher nicht erforderlich?]…

Trotz des schwachen ‚praktischen Teils‘ gefällt mir der Ansatz des Dokuments sehr gut. Die katholische Kirche ist von der Beweglichkeit her ja kein Jet-Boot, sondern eher ein sehr großer Öltanker. Dieses Dokument steuert in Richtung Zukunft 🙂

Tipp: Selber lesen, dann an die eigene Nase fassen (wo muss ich zunächst bei mir selbst anfangen) und dann in den Dialog einsteigen:

… freundlich, argumentierend; dialogisch, nicht ‚von oben herab‘; motivierend, nicht vereinnahmend; begleitend, nicht beherrschend. [7.4]

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…und der Papst ist schuld!

22. März 2012

So lautet der Titel eines unbedingt lesenswerten Artikels von Josef Bordat, den er in der Sende-Zeit veröffentlicht hat. Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten Teil hier, den vollständigen Artikel zum Download als pdf (11 Seiten, die sich lohnen) gibt es hier.

Worum geht es? Lassen wir den Autor selbst zu Wort kommen:

Wer kennt das nicht: In den Kommentaren zu Presseberichten, in Blogs, Foren oder in sozialen Gemeinschaften wie Facebook tauchen – oft aus heiterem Himmel – kirchenkritische Positionen auf, die, bei Lichte betrachtet, den Boden einer Kritik (also: einer wohlbegründeten Unterscheidung; das griechische Wort κρίνειν heißt „scheiden“, „trennen“) längst verlassen haben und in sehr feindseliger, oft aggressiver und dumm-dreister (offenbar als „provokant“ oder gar „mutig“ empfundener) Weise Dinge über die Kirche, die Katholiken oder den Papst behaupten, die – wenn sie denn stimmten – in der Tat eine sachliche oder gar wohlwollende Auseinandersetzung erschwerten.

Wer sich als Katholik im Netz bewegt, wird diese Erfahrung schon mehr als einmal gemacht haben. Wobei ich die aggressive und dumm-dreiste Weise der Kirchenkritik sowohl aus der Ecke erlebt habe, die sich für aufgeklärt, humanistisch und vernünftig hält, als auch aus der Ecke, die sich für den heiligen Rest hält, der die angeblich wahre Kirche vertritt. Erinnert sei auch an die unsägliche Äußerung zu ‚theologischen Zwergen‘ aus dem Mund eines immerhin habilitierten Theologen.

Ich habe auch schon auf so etwas reagiert (durch Kommentare oder den Versuch einer sachlichen Kritik). Meine Erfahrungen decken sich mit dem von Josef Bordat beschriebenen Diskussionsverlauf:

Der Hass steigert sich erst stakkatoartig, meist über Schlüsselbegriffe (menschenverachtend, frauenfeindlich, Hexen, Kreuzzüge, Zölibat etc.), bis zur größtmöglichen Pauschal-Groteske (Alle, die heute zur Kirche gehören, sind „verantwortlich“ für das, was vor 60 oder 500 oder 900 Jahren geschah, machen sich also „mitschuldig“).

Wer mehr vom selben Autor lesen möchte, sei auf Jobo 72’s Weblog verwiesen. Hier schreibt Josef Bordat mal kurz und knapp, mal sehr ausführlich, aber meistens interessant. Im heutigen Beitrag – Quod erat demonstrandum – liefert er Anschauungsmaterial für seine Aussagen aus Kommentaren bei tagesschau.de.

PS: Sende-Zeit ist der Blog der Medienpastoral im Erzbistum Freiburg, nicht der der Mediathek Freiburg. Da beide Einrichtungen aber eng miteinander verknüpft sind, sei mir die in früheren Beiträgen erfolgte ungenaue Bezeichnung nachgesehen 😉

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Jesus Christus – kurz gefasst

13. März 2012

Gerd Häfner hat die Professur für biblische Einleitung an der katholischen Fakultät der LMU München inne. Ich kannte bisher seinen lesenswerten Blog Lectio brevior. Nun habe ich das Material entdeckt, das er im Rahmen eines Repetitoriums für Lehramtsstudierende zum Thema „Grundbotschaft des Neuen Testaments – Wirkung und Sendung Jesu“ ins Netz gestellt hat.

Wer in der Kursstufe die Einheit Jesus Christus unterrichtet, findet hier eine sehr übersichtliche und gut gegliederte Zusammenfassung wesentlicher Aspekte. Natürlich nicht alles (ist ja ’nur‘ für Lehramt), aber sicher weit mehr, als in der Kursstufe benötigt wird.

Hier sind die Themen der einzelnen Sitzungen:

  • Der Begriff »Gottesherrschaft« und sein alttestamentlich-frühjüdischer Hintergrund
  • Jesu Vergebungsbotschaft
  • Die Seligpreisung der Armen
  • Das Ethos Jesu (aufgezeigt an den Antithesen Mt 5,21-48)
  • Nachfolge und Jüngerschaft
  • Die Wundergeschichten der Evangelien
  • Die Überlieferung vom letzten Mahl Jesu
  • Das neutestamentliche Osterzeugnis anhand von 1Kor 15,3ff

Zu jedem Thema gibt es eine pdf-Datei mit den Inhalten und eine weitere mit Literaturangaben dazu (sehr interessant). Hier der Link zu den Materialien. Wer mag, kann sich auch noch die Folien zur Vorlesung „Jesus von Nazareth – Weg und Wirkung“ anschauen (bzw. herunterladen). So gut aufbereitetes Material gab es während meiner Studienzeit leider nicht. Ein toller Service, den die Münchener Studierenden hoffentlich zu schätzen wissen.

Aus dem katholischen Bereich habe ich bisher keine ähnlich ausgewogene und lesbare Darstellung gefunden. Leider sind wir (Katholiken) im Netz weniger gut vertreten, als evangelikale, calvinistische oder freikirchliche Gruppen. Deren Angebote sind oft optisch ansprechend gestaltet, aber inhaltlich habe ich damit natürlich häufig gewisse Schwierigkeiten.

Wem das Material gefällt, der kann sich auch noch das Repetitorium „Grundwissen Neues Testament“ in vergleichbarer Qualität anschauen. Auch hier gibt es reichhaltiges Material.

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