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Reifeprüfung und das Reich Gottes

Das mündliche Abitur läuft gerade an meiner Schule. Die Prüfungen, an denen ich bisher teilnehmen durfte/musste haben mich nicht gerade in Hochstimmung versetzt. Mein Eindruck war, dass weder das Problembewusstsein der Schüler (im Hinblick auf ihre selbst vorgeschlagenen Themen) noch die Fähigkeit zur Strukturierung von Inhalten besonders stark ausgeprägt ist.

Beispiel: Thema ‚Moralische Problematik der Euthanasie‘.
Zehn Minuten Präsentation des Schülers, dann zehn Minuten Fragen – so die Verordnung. Nach zwölf Minuten Abbruch der Schülerpräsentation („…ach ja, ich war ja sowie so gerade fertig…“), obwohl der in der Gliederung angeführte Punkt ‚Persönliche Stellungnahme‘ noch nicht dran war. Im Klartext: zwanzig Prozent Zeit zu viel benötigt und den wesentlichen Teil nicht behandelt.

Schüler: „Wenn die Patienten eh sterben, weil es ihr Schicksal ist, dann kann man auch Sterbehilfe leisten…“
Frage: „Wie meinst du das: ‚Weil es ihr Schicksal ist‘?“
Schüler: „Na ja, dass es eben so vorher bestimmt ist.“
Frage: „Kann es dann nicht auch vorher bestimmt sein, dass keine Sterbehilfe geleistet wird.“
Schüler: „…… Hm, ja.“

Keine klare überhaupt keine Vorstellung von Normenfindung, Gesetzesbildung. Menschenwürde? Ja, schon irgendwie. Wieso? Woher? Warum? Nichts. Schicksal? Sollte man solche Schüler durch das Abitur fliegen lassen und dann schulterzuckend auf das Schicksal verweisen?

Begründungen für Positionen werden nicht kritisch dargestellt oder mit Argumenten widerlegt – alles ist irgendwie eben so, wie es ist. Sehe ich das zu eng? Hey, das ist eine Abiturprüfung und nicht ein Tagesausflug ins LEGO-Land.

Was ärgere ich mich. Wir ernten, was wir gesät haben. Aber um wirklich befriedigendere Ergebnisse zu erzielen, müsste ab der 5. Klasse in allen Fächern und von allen Kollegen am gleichen Strick in dieselbe Richtung gezogen werden. Utopie? Nein. Kleine Schritte, langer Atem, nachhaltiges Arbeiten, Austausch und Kooperation mit ähnlich denkenden Kollegen. Und dann 2008: Besser werden! Ein bisschen wenigstens 🙂

Es ist wie mit dem Reich Gottes. Wir haben es noch nicht, aber gelegentlich steigt uns sein Wohlgeruch in die Nase, wir ahnen, wie es sein könnte und machen uns mit neuer Motivation erneut auf den Weg.

Geduld und Humor sind zwei Kamele, die dich durch jede Wüste bringen.

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