Home > Allgemein, Kirchliches, Medien, Texte > …und der Papst ist schuld!

…und der Papst ist schuld!

So lautet der Titel eines unbedingt lesenswerten Artikels von Josef Bordat, den er in der Sende-Zeit veröffentlicht hat. Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten Teil hier, den vollständigen Artikel zum Download als pdf (11 Seiten, die sich lohnen) gibt es hier.

Worum geht es? Lassen wir den Autor selbst zu Wort kommen:

Wer kennt das nicht: In den Kommentaren zu Presseberichten, in Blogs, Foren oder in sozialen Gemeinschaften wie Facebook tauchen – oft aus heiterem Himmel – kirchenkritische Positionen auf, die, bei Lichte betrachtet, den Boden einer Kritik (also: einer wohlbegründeten Unterscheidung; das griechische Wort κρίνειν heißt „scheiden“, „trennen“) längst verlassen haben und in sehr feindseliger, oft aggressiver und dumm-dreister (offenbar als „provokant“ oder gar „mutig“ empfundener) Weise Dinge über die Kirche, die Katholiken oder den Papst behaupten, die – wenn sie denn stimmten – in der Tat eine sachliche oder gar wohlwollende Auseinandersetzung erschwerten.

Wer sich als Katholik im Netz bewegt, wird diese Erfahrung schon mehr als einmal gemacht haben. Wobei ich die aggressive und dumm-dreiste Weise der Kirchenkritik sowohl aus der Ecke erlebt habe, die sich für aufgeklärt, humanistisch und vernünftig hält, als auch aus der Ecke, die sich für den heiligen Rest hält, der die angeblich wahre Kirche vertritt. Erinnert sei auch an die unsägliche Äußerung zu ‘theologischen Zwergen’ aus dem Mund eines immerhin habilitierten Theologen.

Ich habe auch schon auf so etwas reagiert (durch Kommentare oder den Versuch einer sachlichen Kritik). Meine Erfahrungen decken sich mit dem von Josef Bordat beschriebenen Diskussionsverlauf:

Der Hass steigert sich erst stakkatoartig, meist über Schlüsselbegriffe (menschenverachtend, frauenfeindlich, Hexen, Kreuzzüge, Zölibat etc.), bis zur größtmöglichen Pauschal-Groteske (Alle, die heute zur Kirche gehören, sind „verantwortlich“ für das, was vor 60 oder 500 oder 900 Jahren geschah, machen sich also „mitschuldig“).

Wer mehr vom selben Autor lesen möchte, sei auf Jobo 72′s Weblog verwiesen. Hier schreibt Josef Bordat mal kurz und knapp, mal sehr ausführlich, aber meistens interessant. Im heutigen Beitrag – Quod erat demonstrandum – liefert er Anschauungsmaterial für seine Aussagen aus Kommentaren bei tagesschau.de.

PS: Sende-Zeit ist der Blog der Medienpastoral im Erzbistum Freiburg, nicht der der Mediathek Freiburg. Da beide Einrichtungen aber eng miteinander verknüpft sind, sei mir die in früheren Beiträgen erfolgte ungenaue Bezeichnung nachgesehen ;-)

Allgemein, Kirchliches, Medien, Texte Beitrag drucken

  1. 23. März 2012, 09:32 | #1

    Ich find’s ja zu schade, dass mir so selten solche Atheisten begegnen.
    Wenn du selbst einen Link zu sowas zur Hand hast, der deine Erfahrungen belegt, würde ich mir das gerne mal ansehen.

  2. Ludgerus
    23. März 2012, 13:46 | #2

    Bordat ist Unterzeichner der unsäglich dummen “Petition pro Ecclesia” – diese Kreise machen es nicht leichter, sondern schwieriger, die katholische Kirche zu verteidigen. Nach Ansicht dieser Kreise sind etwa 90 Prozent aller deutschen Katholiken, wohl auch der Betreiber dieses Blogs, keine wahren Katholiken, sondern Krypto-Protestanten. Es gibt nicht nur eine antikatholische Aggressivität außerhalb der katholischen Kirche, sondern auch eine innerkatholische Aggressivität, die vor allem von “papsttreuer” Seite kommt. Bordat hat keine moralischen Bedenken, die hetzerischen und letztlich menschenverachtenden Portale Gloria-TV und kath.net zu nutzen – als Philosoph hat er sich damit meiner Ansicht nach diskreditiert. Auf Bordat empfehlend hinzuweisen, halte ich für problematisch.

  3. wolfra7
    23. März 2012, 17:46 | #3

    @Muriel
    Hmm. Atheisten sind für mich Menschen, die aus – für sie – guten Gründen glauben, dass es keinen Gott gibt. Die “wir-schießen-mal-eben-eine-Breitseite-in-Richtung-Katholen-Menschen” würde ich nicht unbedingt als Ateisten bezeichnen. Dazu fehlen mir zu oft a) die Sachargumente und b) das Niveau.
    Wenn du Beispiele suchst, die die Brodat-Erfahrungen bestätigen, gib doch mal ‘Kinderficker’ und ‘Sekte’ in Google ein und lese dir die Artikel und die Kommentare dazu durch.

  4. wolfra7
    23. März 2012, 18:10 | #4

    @Ludgerus
    Um es deutlich zu sagen: Ich teile nicht die Ansicht der Petition pro Ecclesia. Die dort aufgestellten Bitten sind nicht meine dringendsten Sorgen (schon in der verwendeten Begrifflichkeit habe ich Schwierigkeiten, da mir das 21. Jahrhundert lieber ist als das 19.).
    Gloria-TV und kath.net sind Plattformen, auf denen ich die undifferenzierte und oft ‘feindselige, aggressive und dumm-dreiste’ Art der Kommentierung erfahre – nicht aus der einen (kirchenfernen), sondern aus der anderen Ecke. Deshalb habe ich ausdrücklich auf die Fraktion “Wir, die wahren Humanisten” bzw. die Fraktion “Wir, die wahre Kirche” hingewiesen.
    Im Religionsunterricht versuche ich meine Schüler für diese Gefahren des Fundamentalismus zu sensibilisieren (dualistische Weltsicht, wir sind die Guten, die sind die Bösen, Gott ist auf unserer Seite – nicht etwa: ich bemühe mich, auf Gottes Seite zu stehen,…).
    Die von dir angesprochene ‘innerkatholische Aggressivität’ ist für mich wesentlich schlimmer, als das unausgegorene Geblubber eines Menschen mit ekklesiogenen Schädigungen in der eigenen Biographie. Manche der sich papsttreu nennenden Brüder und Schwestern im Herrn lesen anscheinend eine andere Ausgabe des NT. Nicht ‘liebe deinen Nächsten’, ‘sondern kübele ihn mit Verbalmüll zu’, scheint dort zu stehen.
    Ich bin gerne katholisch, weil das eine weltweite Kirche mit einer ungeheuren Spannweite ist. Das ist manchmal wirklich anstrengend, aber viel öfter bereichernd und schön. Ich will nicht in einer SED-ähnlichen Kirche mit Spitzelsystem und Zweifelverbot sein, sondern in einer Gemeinschaft der Glaubenden, die sich gegenseitig aushält.
    Dazu muss aber der Ton stimmen. Wenn ich den Respekt vor dem anderen Menschen nicht mehr erkennen lasse, nur weil mir seine Position nicht passt, dann stimmt etwas nicht. Das heißt für mich nicht, dass ich jeden Piusbruderschaftsfan knuddeln will. Überhaupt nicht. Aber solange wir uns auf einer sachlichen Ebene auseinandersetzen und im Bewusstsein der uns einenden Gotteskindschaft als Menschen achten, besteht die Chance auf interessante Gespräche.
    Diese Zielrichtung (und den entsprechenden Tonfall) finde ich auch in dem Bordat-Artikel. Inhaltlich stimme ich ihm nicht überall zu. Das im Artikel angeführte Afrika-Beispiel (je katholischer desto weniger AIDS) scheint mir z.B. – je nach zu Grunde gelegter Statistik – für Afrika sowieso eine gewagte Sache – nicht unbedingt soooo eindeutig zu sein. Da finde ich das Argument mit den 15 Prozent Katholiken schon überzeugender, auch wenn es inzwischen knapp 16 Prozent sind (nach den Zahlen, die ich ergoogelt habe). Aber auf dieser Ebene kann man sich gut auseinandersetzen, ohne sich zu verdammen, als Krypto-Katholik oder Kinderficker zu bezeichnen.

  1. Bisher keine Trackbacks