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Buchtipp: Barbara Schmitz – Geschichte Israels

Amerikanische Bloggerkollegen (und Medien) erstellen immer so nette Summer Reading Lists, in denen interessante Bücher vorgestellt werden. Wann diese Bücher angesichts von 14 Tagen Urlaubsanspruch (bei den meisten amerikanischen Unternehmen) gelesen werden sollen, ist mir zwar nicht immer klar, ich stöbere aber gerne in solchen Listen.

Hier gibt es nun keine Liste, aber den Hinweis auf ein Buch, das für Religionslehrer ideal ist. Kurz, knapp, informativ, wissenschaftlich up-to-date und lesenswert geschrieben. Pröppers Anthropologie macht mich zwar jedesmal an, wenn ich darauf stoße, aber ganz ehrlich: um mich da durch zu fressen, reichen mir die Sommerferien nicht. Die Geschichte Israels, die Barbara Schmitz verfasst hat und um die es in diesem Buchtipp geht, umfasst dageben nur 184 Seiten und kann bequem kapitelweise gelesen werden. Und auch wenn etliche lektürefreie Tage zwischen den Kapiteln liegen, ist der Wiedereinstieg kein Problem.

Vier hermeneutische Vorüberlegungen werden von der Autorin an den Anfang gestellt; sie bestimmen die Perspektive der Darstellung:

  1. Geschichte ist eine deutende Rückschau, die vom Standpunkt des ‚Späteren‘ zurückblickt. So kann das ‚Frühere‘ als Ursache des ‚Späteren‘ interpretiert werden.
  2. Die biblischen Texte sind sehr viel später entstanden bzw. verschriftlicht worden als die Zeit, von der sie erzählen.
  3. Es gibt nicht die eine biblische Geschichte. Bereits in der Bibel wird Geschichte unterschiedlich und in sich vielfältig geschildert.
  4. Geschichten zu erzählen und von Geschichte zu berichten, bedeutet immer, selbst an einem bestimmten, historischen Standort zu stehen. Es wird also nicht erzählt, wie es eigentlich gewesen ist, sondern wie es für diejenigen gewesen ist, die von dieser Geschichte wissen wollen, wer sie sind.

Hier das Inhaltsverzeichnis:

  1. Geschichte und Geschichten Israels. Hermeneutische Überlegungen
  2. Babylonisches Exil und Perserzeit (6.-4. Jh. v.Chr.)
  3. Die Entstehung des Pentateuchs. Literarische Verarbeitungen in der Exils- und Perserzeit (6.-4. Jh. v.Chr.)
  4. Die Königszeit in Israel und Juda (10.-6. Jh. v.Chr.)
  5. Die Entstehung des Jerusalemer Geschichtswerks‘ und anderer Textüberlieferungen (8.-7. Jh. v.Chr.)
  6. Erzählungen über die Anfänge
  7. Die Entstehung der Erzählkränze (vor 700 v.Chr.)
  8. Israel in hellenistisch-römischer Zeit: Ein kurzer Ausblick

Das Buch bietet also keinen rein chronologischen Durchgang durch die Geschichte Israels, sondern „denkt von den Orten und Kristallisationspunkten, die in entscheidender Weise die Literaturproduktion bedingt haben.“

Ich halte das Buch für eine sehr gut lesbare und klar strukturierte Einführung, die den Wert der biblischen Darstellungen deutlich macht, ohne einen Wahr-Falsch-Gegensatz zu archäologischen Forschungsergebnissen aufzubauen. Nach der Lektüre dieses Buchs konnte ich manche Aussagen aus den beiden Büchern von Israel Finkelstein und Neil A. Silberman (Keine Posaunen vor Jericho bzw. David und Salomo) klarer einordnen.

Wer also noch 15,90 Euro Urlaubsgeld übrig hat, soll sich das Buch schnell bestellen. Bei Amazon oder anderswo. Viel Freude bei der Lektüre.

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