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Ende des Blogs

Angefangen hat der Reliblog als Nebenprodukt von Lehrerfortbildungen. Da ging es um Computer, digitale Medien und all so Zeug. Altgedienten und frischeren Kollegen sollte ein bisschen Einblick in die technischen Möglichkeiten und Angebote gegeben werden.

Damals war ich noch mit einer halben Stelle am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg. Inzwischen bin ich wieder ganz an der Schule. Das macht sich durch eine deutliche reduzierte Artikelhäufigkeit bemerkbar. Schule macht Arbeit, da müssen Sachen wie der Reliblog eben nebenbei laufen, mit geringer Priorität.

Nun ist es soweit: Ich stelle den Reliblog ein. Ich sehe keinen großen Sinn mehr darin, meine Freizeit in etwas zu investieren, das von offizieller Seite massiv unter Beschuss steht.

Wenn es nach den zuständigen Ministerien geht, darf ich mit Schülern nur per Moodle (uuh, wie attraktiv) oder per Briefpost kommunizieren. Alles andere kommt in die Pfui-Ba-Kiste. Warum? Aus ehrenwerten, weil datenschutzrechtlichen Gründen. Hier die entsprechenden Vorgaben:

Generell ist die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Rahmen der schulischen Arbeit auf Sozialen Netzwerken von Anbietern unzulässig, soweit deren Server außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betrieben werden, es sich um US-Amerikanische Unternehmen handelt oder ein Zugriff von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes möglich ist. Der Grund dafür ist, dass die dortigen Datenschutzstandards nicht mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards in Einklang stehen. Ferner sind die AGBs bzw. Nutzungsbedingungen nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht zu vereinbaren.
Daher ist von der Nutzung von sozialen Netzwerken zu dienstlichen Kommunikationszwecken abzusehen, da diese den geltenden Standards des Landesdatenschutzgesetzes (LDSG) nicht genügen. Dies bedeutet konkret für Lehrkräfte und Schulen, dass jegliche dienstliche Kommunikation auf oder mittels Sozialen Netzwerken sowohl zwischen Lehrkräften und Schülern als auch der Lehrkräfte untereinander unzulässig ist. Darunter fällt die Mailkommunikation innerhalb von Sozialen Netzwerken ebenso wie Chats, aber auch der dienstliche Austausch personenbezogener Daten wie das Mitteilen von Noten, ferner das Einrichten von Arbeits- und Lerngruppen zum Austausch von verschiedensten Materialien, die Vereinbarung schulischer Termine und Informationen zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Für alle diese Zwecke gibt es bereits Kommunikationswege, wie beispielsweise der konventionelle Schriftverkehr oder die Nutzung von verschlüsselten E-Mails einschlägiger Anbieter. Hinweise zur Nutzung von E-Mail finden Sie auf www.it.kultus-bw.de und dem Lehrerfortbildungsserver unter http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/daten/email/ und http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/daten/email_unter/ [Hinweis: vor 17 Monaten zum letzten Mal aktualisiert].  Ferner können Arbeits- und Lerngruppen oder der Austausch verschiedener Materialien beispielsweise mit Moodle als datenschutzfreundliche Alternative realisiert werden. [Quelle: http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/ds_neu/soziale_netze/]

Alles klar. Wozu Hinweise auf attraktive Nutzungsmöglichkeiten, wenn ich sie nicht nutzen darf. Entscheidungsgrundlage für diese Entscheidung des KM ist u.a. der Ergebnisbericht der Innenministerkonferenz vom 4. April 2012. Ja, die Innenminister, die kennen sich da  ja ganz toll aus, mit der Sicherheit…

Macht’s gut, viel Spaß auf der Reise zurück in die Achtziger. Vielleicht mache ich einen neuen Blog auf. Da lernen wir dann, wie man eine Postkarte schreibt, oder ein Telefon mit Wählscheibe bedient. Fortgeschrittenen könnte ich zeigen, wie man einen Film mit Video 2000 aufzeichnet. Wisst ihr noch?

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  1. 19. Juli 2013, 16:40 | #1

    Nee, ne, das ist ja wohl nicht wahr! Da wird an anderer Stelle differenziert ausgebildet, das Netz zur Produktion und zum Teilen von Ressourcen für den Unterricht zu nutzen (http://www.coer13.de/unit0.html) und hier lese ich jetzt so was. Kopf –> Tisch!
    Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, wir lesen uns anderswo!

  2. wolfra7
    19. Juli 2013, 17:41 | #2

    @Ameleo
    Tja, was sich Praktiker ausdenken und für sinnvoll halten ist manchmal eben meilenweit von dem entfernt, was sich eine Ministerialbürokratie ausdenkt. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass, lautet das Motto. Medienkompetente und -erfahrene Jugendliche, die vorsichtig und souverän mit ihren Daten umgehen sind gewünscht. Aber der Weg dahin darf natürlich nicht über die Praxis führen, denn die ist ja gefäääährlich. Lieber gehe ich mit meinen Schülern gemeinsam in die datenschutzrechtlichen Niederungen sozialer Netzwerke, als sie alleine dort rumstolpern zu lassen. Aber nun darf ich nicht mehr.

  3. 19. Juli 2013, 17:44 | #3

    Klasse, und ich dachte immer, es gäbe nur ganz wenige Arbeitgeber, die das Bloggen unter Beschuß nehmen. Jammerschade, daß Du aufhörst!

    Naja, wenn demnächst mal wieder unsere Regierung vor irgendwelchen Bloggern in Fernost den Hut zieht, weiß ich ja, wie’s gemeint ist.

  4. wolfra7
    19. Juli 2013, 17:49 | #4

    Bloggen darf ich ja, nur nicht mit Schülern irgendwelche Projekte oder ähnliche Aktion in sozialen Netzwerken oder bösen nicht-deutschen Servern machen. Das betrifft die Absprachen der Schülerzeitung, die Kommunikation mit den Teilnehmern des Seminarkurses, die SMV-Arbeit…

  5. 20. Juli 2013, 09:20 | #5

    Schade!

    Und ich hab doch neulich zwei Studentinnen bei Frage zu einer Seminararbeit unterstützt und zwar elektropostalisch!! Bin ich jetzt auch ein Verbrecher?

  6. 23. Juli 2013, 11:39 | #6

    Vielleicht machst du ja wirklich irgendwo noch ein Blog auf, oder das hier doch wieder weiter. Schade erst mal. (Das mit den Regelungen für Netze sowieso.) Mach es gut!

  7. 9. August 2013, 06:25 | #7

    Lieber Wolfgang, ich hoffe auch auf eine nur temporäre Unterbrechung Deines für mich immer konstruktiven und bereichernden Online-Tuns, auch in diesem Blog. Hier verstößt ja eigentlich kein einziger Beitrag gegen die ministeriale Direktive, so dass eine Fortführung durchaus möglich erscheint. Dass Du Wut und Frust empfindest kann ich gut nachvollziehen, in gewisser Weise aber auch, dass der Datenschutz für junge Menschen gewährleistet sein muss. Dazu gibt es aber vielleicht doch mehr Wege als Pauschalverbote. – Lass‘ Dir Deine wunderbar experimentierfreudige Grundhaltung nicht verbittern und denke mal in positiver Weise an das Konzept des vorauseilenden Gehorsams!-)

  8. Thomas v. Brocke
    28. August 2013, 15:37 | #8

    Lieber Wolfgang,
    auch von meiner Seite danke für die Seite, aber wenn ich ehrlich bin, ist mir beim Lesen genau das durch den Kopf gegangen, was Matthias Heil vor mir schreibt: „Hier verstößt ja eigentlich kein einziger Beitrag gegen die ministeriale Direktive“.
    Deshalb verstehe ich einerseits deinen Unmut, denke aber, dass wir dann doch nicht ganz so sehr in die digitale Steinzeit kommandiert werden von der Regierung, wie du schreibst.
    Vielleicht überlegst du dir’s ja nochmal!?

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