Still alive: Linklisten

9. April 2013

Linklisten waren zu Beginn der Internetnutzung durch Lehrer eine hochbegehrte Sache. Da hatte sich schon jemand Mühe gemacht, intensiv gesucht und vorsortiert. Inzwischen sind sie selten zu finden. Die Pflege macht viel Arbeit, Links veralten sehr schnell und das Angebot im Netz wird immer größer.

Umso erwähnenswerter ist die Autenriehths WWW-Linkbibliothek. Wolfgang Autenrieth hat seine sehr umfangreiche Sammlung von Links seit 2001 im Netz. Wer hier sucht, findet sicher etwas Interessantes. Ein bisschen Zeit zum Rumstöbern muss man aber schon mitbringen. Die Liste ist nach Fächern und Sachgebieten vorsortiert. Die Links für den Religions- und Ethikunterricht sind hier zu finden.

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Das Geschenk

16. März 2013

Stacey Kramer hat etwas geschenkt bekommen, das ihr Leben völlig verändert und bereichert hat. Sie erzählt zunächst, was sich alles geändert hat, was sie als Geschenk empfunden hat. Erst gegen Ende des kurzen Vortrags wird klar, worum es sich handelt:

Vielleicht kann das einen Einstieg in die Anthropologie-Einheit in der Kursstufe darstellen.

Was ist der Mensch, oh Herr, dass du seiner gedenkst…

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Den Aufbruch wagen

14. März 2013

Den Aufbruch wagen – Wie kann sich die katholische Kirche reformieren?

So nennt Hubert Wolf, Kirchengeschichtler aus Münster, seinen zweiteiligen Vortrag in der Reihe SWR Wissen: Aula. Er stellt dar, wie sich die Rolle der Kirchengeschichte innerhalb der Theologie durch die Beschlüsse des 1. Vatikanischen Konzils geändert hat. Danach zeigt er sehr interessante Beispiel für die Vielfalt dessen auf, was innerhalb der katholischen Kirche schon alles möglich war und im Lauf der Jahr(hundert)e vergessen oder verdrängt wurde.

Wer an der reichen Vielfalt katholischer Traditionen interessiert ist und sich an ideologischen Verengungen auf das (angeblich) einzig wahre Katholische stört, dem seinen die Vorträge empfohlen, die es als Audio-Dateien (Teil 1, Teil 2) zum Download gibt. Wer es lieber Schwarz auf Weiß hat, kann sich beim SWR die Manuskripte als PDF-Dateien herunterladen (Teil 1Teil 2).

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Wir brauchen…

5. März 2013

Wir brauchen:

Weniger Frömmelei, aber mehr Frömmigkeit,
weniger Andachten, aber mehr Andacht,
weniger Erscheinungen, aber mehr Erleuchtung,
weniger Weissagungen, aber mehr Weisheit,
weniger Gründungen, aber mehr Gründlichkeit,
weniger Kirchlichtun, aber mehr Christentum.

Aus Briefen von P. Odilo Rottmanner (1841-1907), Zettelsammlung von Marie Gräfin Waldburg-Wurzach. Zitiert nach Claus Arnold, Katholische Milieus in Oberschwaben um 1900, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 21 (2002), Stuttgart 2002, 219-239.235.

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Lesetipp: Das neue Buch von Hubert Wolf

27. Februar 2013

Seit letzter Woche auf dem Markt ist das neue Buch von Hubert Wolf: Die Nonnen von Sant’Ambrogio. Der Untertitel lautet: Eine wahre Geschichte. Angesichts der im Buch beschriebenen Abläufe würde ich es für eine schlecht erfundene und alle Klischees bedienende Sex-and-Crime-Story halten. Aber der Autor ist nicht Dan Brown, sondern der – aus meiner Sicht – profilierteste und aktivste Kirchenhistoriker, den es im deutschsprachigen katholischen Bereich gibt. Leider beschreibt er keine schlechte Fiktion, sondern die historisch belegte Geschichte von Menschen, die auch bereit waren, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

Hubert Wolf schreibt interessant, gut lesbar und strukturiert. Mit spitzer Feder, aber ohne Polemik oder Schaum vor dem Mund stellt er die komplexen kirchengeschichtlichen und theologischen Strömungen des 19. Jahrhunderts dar. Auf 70 Seiten werden in den Anmerkungen Quellen und weiterführende Literatur benannt, das Quellen- und Literaturverzeichnis umfasst weitere 19 Seiten, der eigentliche Textteil fast 450 Seiten. Viel zu lesen für 24,95 Euro.

Es geht nicht um eine Schwarz-Weiß-Sicht mit Guten und Bösen. Auch nicht um Benediktiner gegen Jesuiten, oder verführerische Nonne gegen an Himmelsbriefe glaubenden Neuscholastiker. Mir hat das Buch bis zur letzten Seite gefallen, weil es Wolf gelingt, die widersprüchlichen Interessen und Handlungsmotive der einzelnen Akteure lebendig zu schildern und sie durch kurze Beschreibungen der historischen Situation und der theologisch-kirchenpolitischen Großwetterlage anschaulich werden zu lassen.

Was nach der Lektüre bleibt, ist nicht die Heiligsprechung oder Verurteilung der Beteiligten, sondern die Erkenntnis, dass es immer eine Vielzahl von Handlungsmotiven, persönlichen Stärken und abgrundtiefen Schwächen gibt. Eine oft unkritische Verherrlichung von Päpsten (z.B. von Pius IX.) oder der ‚guten alten Zeit‘ – wird weder der Geschichte noch der Gegenwart gerecht. Erst eine vertiefte und differenzierende Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Interessenslagen macht klar, dass es nie so war, wie es ’schon immer‘ war, und dass Geschichte auch wenn es um Kirchengeschichte geht, die Geschichte von Siegern ist.

Treue und Liebe sind nicht Synonyme für blinden Kadavergehorsam. Liebe versucht auch die unangenehmen und weniger schönen Seiten des/der Geliebten anzunehmen und sich immer mehr über die schönen und wertvollen Aspekte zu freuen. Das macht Kirchengeschichte so interessant 🙂

 

 

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Kirchliche Kommunikation

24. Februar 2013

Nein, kein Satirebeitrag. Nein, keine ‚Pleiten-Pech-und-Pannen-Show‘.  Auch keine Wunschliste für den alten oder den neuen Papst.

Es handelt sich vielmehr um einen Lektürehinweis: Eine sehr lesenswerte Diplomarbeit hat Andrea Mayer-Edoloeyi ins Netz gestellt. Kostenlos, CC-Lizenz, downloadbar. Der Titel lautet: Digital Natives und kirchliche Kommunikation. Netzinkulturation als Pastoral in einer medial vermittelten Lebenswelt.

Wer schon einiges zum Thema Kirche und Internet weiß, wird hier ebenso fündig, wie ein digitales Greenhorn. Gut strukturiert, mit leser_innenfreundlichen Zwischenergebnissen, nicht zu knapp, nicht zu lang – einfach gut.

Hier ist die Website mit der Arbeit zum online-Lesen oder Downloaden: http://andreame.at/diplomarbeit.

Mir persönlich haben die Kapitel 3.3 Das Social Web als Ort lebensbedeutsamer Kommunikation (S. 71-.79) und das Kapitel 5 Eine Pastoral der Passung in Zeiten des Social Web (S. 102-113) am besten gefallen.

Sehr zutreffend fand ich auch die Aussagen im Abschnitt 3.2.3.2 (S. 70f). Für die dort Angesprochenen gilt: Auf keinen Fall diese Arbeit lesen, denn sie enthält nur neun Mal das Wort Papst. Die Begriffe Jungfrau, Jungfräulichkeit und Zölibat fehlen völlig 😉

Aber wer an einer zukunftsfähigen Verkündigung der Botschaft Jesu interessiert ist, wird eine Reihe von nachdenkenswerten Anregungen und Möglichkeiten finden.

 

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Stammzellenforschung

23. Februar 2013

Alle Jahre wieder halten Schüler ihre GFS auch mal in Religion. Eine GFS ist eine gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen. Schon die Bezeichnung lässt erkennen, dass so etwas nicht unbedingt in der Schulpraxis entstanden, sondern an einem Schreibtisch ausgedacht worden ist. ‚Ganze Familie schafft‘ ist die in der Mittelstufe üblichere Übersetzung.

Eine Schülerin der Kursstufe hält demnächst eine GFS zum Thema Stammzellenforschung. Zur eigenen Vorbereitung habe ich nach aktuellem Material gesucht und interessantes Material gefunden, das für Lehrer und Schüler geeignet ist.

Es handelt sich um drei PDF-Dateien, die begleitend zur Vorlesung ‚Rechtsphilosophische Grundlagen des Medizinrechts‘ an der Uni Regensburg von Prof. Pawlik erstellt worden sind:

Diese Außensichten auf Themen, die wir im Religionsunterricht behandeln und die in Präsentationsprüfungen des Abiturs beliebt sind, sind gut lesbar formuliert, auch (fitte) Schüler der Kursstufe dürften verstehen, worum es geht. Und ich als Lehrer und Christ bin aufgefordert, meine eigene Position argumentativ zu begründen und kommunikativ zu vermitteln. Das ist nicht immer einfach, besonders, wenn man sich außerhalb des Papst-Jungfräulichkeit-Zölibat-Zirkels aufhält.

 

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…98, 99, 100.

16. Januar 2013

Vor langer Zeit, als es noch Schwarzweißfernseher, die EVS, die Deutsche Bundesbahn, Schaffner u.a.m gab, kam im Hörerwunschkonzert der Radioprogramme regelmäßig  ‚Ich hab‘ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren…‘

Heute bin ich auf wirklich ansprechende Portraits von Hundertjährigen gestoßen. Karsten Thormaehlen hat Menschen fotografiert, die 100 Jahre alt sind bzw. waren. Entdeckt habe ich sie beim Bored Panda.

Um Ärger mit dem Copyright zu vermeiden, gibt es hier kein Bild, nur den Link. Dort sind elf der Portraits zu finden. Den Einsatz könnte ich mir in der Anthropologie-Einheit der Kursstufe ebenso vorstellen, wie in den ‚Entwicklungs-Einheiten‘ der 6./7. Klassen.

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Medien, Missbrauch und die Perspektivität der Wahrnehmung

12. Januar 2013

Ich kenne Herrn Kopp nicht persönlich. Er ist Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Am Mittwoch hat er versucht, die Gründe für die Kündigung des Vertrags mit Herrn Pfeiffer zu erläutern. Hier ist der Link zu seinen Statements.

Mein völlig persönlicher, unmaßgeblicher und subjektiv geprägter Eindruck: Er wirkt bis auf wenige Momente kalt, distanziert und völlig unsensibel. Was er sagt, überzeugt mich nicht, bleibt im Allgemeinen und wiederholt sich. Damit wurde der bereits bestehende Schaden noch vergrößert. Und ich bin katholisch, ich bin es gerne und will bei meiner Kirche sein, auch wenn manches daran so ist, dass es der Sau graust, wie man im Süden so schön sagt.

Warum geht das nicht anders? Ehrlicher? Aufrichtiger? Sachlicher?

Gerade habe ich einen Artikel zur Missbrauchsstudie von Eckhard Bieger gelesen, der um Klassen besser ist (hier ist der Link zum Artikel). So stelle ich mir Berichterstattung oder Statements zu kritischen Themen vor. Und da sieht das Ganze schon etwas anders aus. Diese Aussagen wirken auf mich wesentlich glaubwürdiger.

Die ‚bösen Medien‘ sind nicht das Problem. Only bad news are good news, das wussten schon die alten Römer. Problematisch ist ein blauäugiger Umgang mit den Medien.

Die Berichterstattung zur Studie zu sexuellen Übergriffen durch katholische Geistliche lief ganz ähnlich. In den Schlagzeilen stand als Ergebnis der Studie (sinngemäß), dass sexueller Missbrauch von Kindern sich im Bereich der ’normalen‘ Sexualität bewegen würde. Und jeder (anders normale) denkt sich „Hallo!!! Sonst ist alles in Ordnung bei euch???“

Das Interview mit Herrn Leygraf, der die Studie gemach hat, liest sich aber völlig anders (hier der Link dazu). Aber das geht unter. Wenn ich weiß, dass ich totsicher mit jedem Dreck beworfen werde, den es gibt, sobald ich in den Medien erscheine, muss ich ungeheuer vorsichtig und vorausschauend reden, schreiben, veröffentlichen.

Ich habe mir die Kommentierungen zur Berichterstattung über Pfeiffer vs. DBK auf der Tagesschau-Seite durchgelesen. Nach zehn, zwanzig Kommentaren habe ich aufgehört. Es war unerträglich.

Für mich steht die Botschaft im Mittelpunkt, die dieser Jesus vor längerer Zeit versucht hat, uns Menschen vorzuleben. Darüber möchte ich gerne mehr lesen, darüber möchte ich diskutieren. Die finde ich faszinierend.

Nicht Vertuschung, Missbrauch, Eitelkeiten, Angst vor rechtlichen Konsequenzen, Supersensibilität gegenüber den armen Priestern (muss-man-doch-verstehen, wir-sind-doch-alle-kleine-sünder, momentane-überforderung-in-einer-persönlichen-krisenstiuation…) bei gleichzeitiger Kaltschnäuzigkeit gegenüber den wirklichen Opfern, einem Festkrallen an überkommenen Strukturen, die Scheinsicherheiten vermitteln. Ach was soll’s. Es ist manchmal unheimlich frustrierend.

Mit meinem Gott springe ich über Mauern und Wälle (vgl. Ps 18,30). Auch die eigenen, katholischen 😉

 

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Hermetik oder Hermeneutik?

28. Dezember 2012

Viele Kirchenmitarbeiter und Kirchengruppen haben sich eine verquaste, unkonkrete, manchmal auch pseudopoetische Sprache angewöhnt. Da ist der Pastor doch ein Stück weit betroffen, dass Kirche nicht nachhaltig Kontingenzerfahrung vermittelt, wo man doch eine Strecke den Weg gemeinsam gehen wollte, um zu zeigen, dass die Liebe des Herrn ist wie Gras und Ufer, Wind und Weite. Ob man wieder mehr Himmel wagen sollte? Oder wenigstens etwas mehr durch die Stille hindurch hören? Das sind Metaphern einer Insider-Kultur, die allen, die neu in eine Gemeinde kommen, signalisieren: Mach erst einmal einen Sprachkursus, wenn Du bei uns mitreden willst.

Klare Worte. Natürlich nicht von einem Kirchenmann 😉

Das obige und auch das nachfolgende Zitat stammen aus dem sehr lesenswerten Beitrag Zwischen Hermetik und Hermeneutik: Zur kirchlichen Kommunikation des Glaubens von Matthias Dobrinski. Erschienen ist der Text in der Dokumentation des 7. Arbeitsforums für Religionspädagogik [Ludwig Rendle (Hg.): Glaube, der verstehbar wird… Kommunikabilität des Glaubens als religionsdidaktische Herausforderung, München 2012, 67-74].

Die Doku gibt es z.B. beim DKV für fünf Euro plus Versand.

Wer sich öffnet für den Geist Gottes, der kann darauf vertrauen, dass alles neu werden wird. Das war an Pfingsten so, dass steht aber auch schon im Alten Testament (z.B. Ps 104). Und wenn ich dieses neu zulasse, dann wird ganz schnell aus der Hermetik die Hermeneutik. Und im Geist des Herrn versammelt kann ich dann versuchen, mich gemeinsam mit den anderen auf den (Glaubens-)Weg zu machen. Dann scheint der Vorschlag Dobrinskis auch umsetzbar:

Führt innerkirchliche Dialoge nicht, damit es endlich ruhig wird im murrenden Kirchenvolk, sondern weil ihr überzeugt seid, dass Zuhören und Reden und das sicher Geglaubte dem Zweifel auszusetzen eine evangeliumsgemäße Form des Miteinanders ist.

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